Festnahme wegen Giftschlamm-Katastrophe

Beckenwand hält

© AP

Festnahme wegen Giftschlamm-Katastrophe

Der Generaldirektor der für die Giftschlamm-Katastrophe verantwortlichen ungarischen Aluminiumfirma MAL ist festgenommen worden, gab Ministerpräsident Viktor Orban am Montag im Budapester Parlament bekannt. Das Unternehmen soll unter staatliche Kontrolle gestellt werden, kündigte der Premier laut der Nachrichtenagentur MTI an. Die Worte Orbans wurden von den Abgeordneten mit Applaus quittiert.

Leiche entdeckt
Die Leiche des nunmehr achten Todesopfers der Giftschlamm-Katastrophe ist am Montag in Devecser entdeckt worden, teilte Katastrophenschutzsprecher Tibor Dobson der ungarischen Nachrichtenagentur MTI mit. Diese Ortschaft war am 4. Oktober von der Lawine verwüstet worden, als ein Auffangbecken mit hochgiftigem Bauxitschlamm barst.

Keine zweite Giftflut

Die Gefahr einer zweiten Giftschlammflut in Ungarn ist offenbar nicht so akut wie zunächst befürchtet: Die Risse an der Nordwand des zweiten, noch dichten Deponiebeckens hätten sich nicht vergrößert, teilte der Katastrophenschutz am Montag mit. Das hätten Messungen im Verlauf der vergangenen 24 Stunden ergeben.

Experten rechnen damit, dass der Damm des Deponiebeckens bricht. Dann würde sich eine weitere Rotschlamm-Welle auf den Ort Kolontar ergießen. Seit dem Wochenende wird fieberhaft am Bau von neuen Schutzwällen und der Abdichtung des maroden Damms gearbeitet. Dieser war Montag früh zu 70 Prozent fertig, teilte der ungarische Katastrophenschutz mit. Die einen Kilometer lange und vier Meter hohe Mauer soll eine weitere ätzende Schlammlawine aufhalten.

Unternehmen zahlt Schadenersatz
Aus dem ersten lecken Deponiebecken der Aluminiumfabrik MAL waren am Montag vergangener Woche 700.000 Kubikmeter ätzender, giftiger Rotschlamm ausgetreten. Binnen einer Stunde wurden drei Dörfer überschwemmt.

Die Betreiberfirma der Aluminiumhütte kondolierte am Sonntag den Hinterbliebenen der sieben Todesopfer. MAL entschuldigte sich dafür, dies erst sechs Tage nach dem Bruch des Damms getan zu haben. Ferner erklärte sich das Unternehmen bereit, "im Verhältnis zu seiner Verantwortung" Schadenersatz zu leisten. Die Höhe des Sachschadens ist noch nicht absehbar.

Experten erwartet
Der ungarische Umweltstaatssekretär Zoltan Illes sagte, allein an Geldstrafen für Schäden an Wasserwegen und Umwelt seien bereits 19,2 Milliarden Forint (70 Millionen Euro) anefallen. Gegen MAL wird ermittelt, die Polizei beschlagnahmte in der Fabrik in Ajka Dokumente.

Am Montag wurden fünf Experten erwartet, die die EU-Staaten für die Bekämpfung des Giftschlamms entsenden wollten. Nach Angaben der EU-Kommission vom Sonntag sollen sie die Helfer in Ungarn unterstützen. Die Experten kommen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Schweden und Österreich. Letzterer ist Alarich Riss aus dem Umweltbundesamt (UBA).
 

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