Giftspritze für geistig Zurückgebliebene

Umstrittene Hinrichtung

© AP

Giftspritze für geistig Zurückgebliebene

Erstmals seit fünf Jahren ist in den USA wieder eine Frau hingerichtet worden. Die wegen Doppelmordes verurteilte Teresa Lewis wurde am Donnerstagabend (Ortszeit) im US-Staat Virginia mit einer Giftspritze getötet. Der Gouverneur des US-Staats Virginia, Bob McDonnell, hatte am Freitag ein Gnadengesuch Lewis' abgelehnt. Insgesamt gab es über 7.300 Appelle, die Hinrichtung zu stoppen. Das Todesurteil ist heftig umstritten, da die Frau über eine sehr geringe Intelligenz verfügte. Die letzte Hinrichtung einer Frau in Virginia ist fast 100 Jahre her.

Lewis' Stieftochter verfolgte ebenso wie Angehörige der Opfer die Hinrichtung von einem Nebenraum aus. "Ich will, dass Kathy weiß, dass ich sie liebe und es mir sehr leid tut", sagte die Todeskandidatin, kurz bevor ihr der tödliche Cocktail verabreicht wurde. Sie starb am Donnerstagabend um 21.13 Uhr (Ortszeit / 3.13 Uhr MESZ).

An der Schwelle zur geistigen Behinderung

Lewis bekannte sich 2003 schuldig, im Jahr zuvor den Mord an ihrem Ehemann und ihrem Stiefsohn in Auftrag gegeben zu haben, um an die Lebensversicherungspolizze im Wert von 250.000 Dollar (191.000 Euro) zu kommen. Die heute 41-Jährige habe durch sexuelle Gefälligkeiten und Manipulation zwei Männer davon überzeugt, die Morde zu begehen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Täter wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Lewis' Anwalt, James E. Rocap, hatte angeführt, dass die Strafe im Lichte neuer Erkenntnisse zu hart sei. Seine Klientin verfüge über einen Intelligenzquotienten von 72, der an der Schwelle zur geistigen Behinderung liege. Einer der Schützen habe später zugegeben, Lewis manipuliert zu haben, um seine eigenen Interessen durchzusetzen. "Wenn sie nicht der geistige Urheber des Verbrechens war - und mittlerweile ist klar, dass sie das nicht war - ist es sehr ungerecht, sie zum Tode zu verurteilen, während die beiden Schützen mit lebenslangen Haftstrafen davonkamen", schrieb Rocap an den Gouverneur. Der Täter, den Rocap als geistigen Vater der Tat bezeichnet, nahm sich 2006 im Gefängnis das Leben.

EU wollte Hinrichtung aufhalten
Mehrere Dutzend Demonstranten protestierten während der Urteilsvollstreckung vor dem Gefängnis in Jarrat, berichtete die Zeitung "Richmond Times-Dispatch". Die Europäische Union hatte mehrfach versucht, die Hinrichtung aufzuhalten. Auch Prominente wie der Autor John Grisham sprachen sich gegen das Urteil aus. Als letztes Mahl wählte Teresa Lewis den Berichten zufolge Hendl und Kuchen.

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Demonstranten vor dem Gefängnis / Foto: AP

Die letzte Hinrichtung einer Frau in den USA fand im Jahr 2005 im US-Staat Texas statt. Die letzte Hinrichtung einer Frau im Staat Virginia erfolgte im Jahr 1912. Unter den über 1.200 seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 in den USA hingerichteten Straftätern befanden sich nur elf Frauen. Von den über 3.200 Insassen der Todestrakte in US-Gefängnissen sind nur 53 Frauen.
 

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