Haftstrafen an französischer Klinik

450 Männer verstrahlt

Haftstrafen an französischer Klinik

Im Prozess um den bisher größten medizinischen Verstrahlungsskandal in Frankreich sind zwei Ärzte und ein Medizinphysiker zu Haftstrafen verurteilt worden. Ein Gericht in Paris verhängte am Mittwoch wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung Haftstrafen von jeweils 18 Monaten, Geldstrafen von bis zu 20.000 Euro und Berufsverbote. Bei dem Prozess ging es um fast 450 an Prostatakrebs erkrankte Männer, die im Krankenhaus des ostfranzösischen Städtchens Epinal während ihrer Therapie zum Teil stark überhöhte Strahlendosen erhielten. Zwölf von ihnen sind inzwischen verstorben.

Gegen die 62 und 64 Jahre alten Ärzte, die auch wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt wurden, verhängte das Gericht lebenslange Berufsverbote. Der 54 Jahre alte Medizinphysiker, der auch wegen Beweisunterschlagung verurteilt wurde, darf fünf Jahre lang nicht arbeiten. Zusätzliche zweieinhalb beziehungsweise eineinhalb Jahre Haft wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die Verurteilten haben zehn Tage Zeit, um Berufung einzulegen. Vier Mitangeklagte, darunter Vertreter der regionalen Gesundheitsbehörden, wurden freigesprochen.

Die Patienten waren zwischen 2001 und 2006 in Epinal behandelt worden. Während zwölf von ihnen gestorben sind, sind viele andere Opfer inzwischen behindert. Mehrere Männer erlitten so starke Verbrennungen, dass sie einen künstlichen Darmausgang bekommen mussten. Andere klagen über Entzündungen oder Verdauungsstörungen.

Nach ersten Strafanzeigen hatte die zuständige Aufsichtsbehörde in Paris im Jahre 2006 eine Untersuchung eingeleitet. Die Ermittlungen, an denen auch das staatliche französische Strahlenschutzamt (IRSN) beteiligt war, deckten eine Reihe von schweren Irrtümern auf. Demnach war die Software einer neuen Generation von Bestrahlungsgeräten nicht richtig eingestellt. Dafür war der Medizinphysiker verantwortlich.

Außerdem wurden beim Zusammenrechnen der Strahlendosen im Zuge der Krebsbehandlung frühere Bestrahlungen nicht einbezogen. Durch diese Fehler erhielten die Krebskranken um acht bis 20 Prozent überhöhte Strahlendosen.

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