Hier verabschiedet sich Marta Kaczynska

Präsident aufgebahrt

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Hier verabschiedet sich Marta Kaczynska

In Warschau haben am Dienstag tausende Polen Abschied von ihrem tödlich verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski genommen. Vor dem Präsidentenpalast, wo die Särge des Staatsoberhaupts und seiner Frau aufgebahrt wurden, lagen Berge von Blumen. Nach einer Trauerfeier für alle 96 Opfer der Flugzeugkatastrophe sollen die beiden am Sonntag in einem Staatsbegräbnis in Krakau beigesetzt werden.

Tausende geben letztes Geleit
Die sterblichen Überreste Kaczynskis waren bereits am Sonntag nach Polen überführt worden, am Dienstag wurde auch der Leichnam der Präsidentengattin Maria Kaczynska zurück in die Heimat gebracht. Der Sarg der First Lady wurde von einer Ehrengarde und Familienmitgliedern am Warschauer Flughafen in Empfang genommen wurde.

Als Erste kniete die 30-jährige Tochter Marta des Präsidentenpaares vor dem Sarg nieder, gefolgt vom Bruder des Präsidenten, Jaroslaw Kaczynski. Tausende Menschen säumten am Dienstag die Strecke vom Flughafen bis zur Innenstadt von Warschau, um der beliebten First Lady das letzte Geleit zu geben. Die 67-jährige Maria Kaczynska war in Polen unter anderem wegen ihres Engagements für Frauenrechte sehr beliebt. Ihre Leiche war am Montag am Ehering identifiziert worden.

Parlament hält Sondersitzung ab
Vor dem Präsidentenpalast hatten sich bereits seit dem Morgen tausende Menschen versammelt, um von dem Präsidentenpaar Abschied zu nehmen. Polens Interimspräsident Bronislaw Komorowski will am Mittwoch den Termin für die Neuwahl des Staatsoberhauptes bekanntgeben. Turnusgemäß war die Präsidentenwahl im Oktober geplant. Parlamentspräsident Komorowski hätte bei der Wahl Kaczynski Umfragen zufolge geschlagen.

Komorowski hat nach Kaczynkis Tod zwei Wochen Zeit, einen neuen Termin festzulegen. Die Wahl muss dann innerhalb von 60 Tagen stattfinden. Der amtierende Präsident hatte bereits erklärt, den Termin so spät wie möglich anzusetzen. Der letzte mögliche Termin sei der 4. Juli, sagte Komorowski am Montag. Er werde in den kommenden Tagen die Parteien nach ihren Präferenzen befragen. Am heutigen Dienstag kommt das Parlament in Warschau zu einer Sondersitzung zusammen.

Beisetzung in Wawel
Am Samstag soll in einer gemeinsamen Gedenkfeier aller 96 Opfer des Flugzeugabsturzes gedacht werden, für Sonntag ist dann das Staatsbegräbnis des Ehepaars Kaczynski geplant. Wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete, werden sie in der Kathedrale auf der Wawel, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige in Krakau, beigesetzt.

Kaczynski und seine Frau waren am Samstag bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Sie waren zusammen mit Regierungsmitgliedern und anderen Funktionären auf dem Weg zu einer Gedenkfeier in Katyn, als die Maschine auf dem Flughafen von Smolensk in Westrussland abstürzte. Inzwischen ist nach Angaben der russischen Behörden fast die Hälfte der 96 Opfer identifiziert.

Dritte Black Box gefunden
Unterdessen verdichteten sich Hinweise auf einen Pilotenfehler. Wie der russische Vize-Regierungschef Sergej Iwanow sagte, schließen die russischen Ermittler mittlerweile ein Feuer oder eine Explosion als Unglücksursache aus. Aufschluss erhoffen sie sich von der Auswertung der Flugschreiber: Am Dienstag wurde ein drittes Aufzeichnungsgerät am Unglücksort gefunden. Es solle auf Wunsch Warschaus in Polen ausgewertet werden, sagte ein russischer Luftfahrtvertreter. Ein Fluglotse vom Flughafen von Smolensk, Anatoli Murawjew, sagte der Zeitung "Komsomolskaja Prawda", der Pilot sei wegen des schlechten Wetters dreimal aufgefordert worden, auf einem anderen Flugplatz zu landen. Die polnische Präsidentenmaschine habe aber trotzdem mit dem Landemanöver begonnen und zudem keine Angaben über ihre Höhe an den Tower gemeldet.

Polnische Medien hatten die Vermutung aufgestellt, die Piloten seien angehalten worden, das Flugzeug um jeden Preis zu landen, damit die Delegation um Kaczynski rechtzeitig zu der Gedenkfeier in Katyn eintreffen könne. Auch wurde nicht ausgeschlossen, dass Kaczynski selbst die Anordnung zur Landung erteilt haben könnte.

Annäherung zwischen Polen und Russland
Polens Außenminister Radoslaw Sikorski sieht in der russischen Anteilnahme nach dem Flugzeugunglück eine Chance auf Annäherung zwischen seinem Land und Russland. "Der psychologische, emotionale Durchbruch ist bereits geschehen" sagte Sikorski der polnischen Zeitung "Gazeta Wyborcza". Ähnlich äußerte sich der frühere polnische Präsident Lech Walesa. "Ich hoffe von Herzen, dass diese Tragödie auf beiden Seiten zum Nachdenken führt und Vorbehalte abbauen hilft", sagte Walesa der "Bild"-Zeitung.

Nach dem Flugzeugunglück hat die Regierung in Tschechien für das Wochenende Staatstrauer ausgerufen. Die serbische Regierung rief für Donnerstag Staatstrauer aus. Russland hatte bereits den gestrigen Montag zum Trauertag erklärt. In Polen wird eine Woche getrauert.

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