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Hunderte Flüchtlinge ertrinken im Mittelmeer

Drama auf hoher See

Hunderte Flüchtlinge ertrinken im Mittelmeer

„Hunderte Flüchtlinge sind im Mittelmeer ertrunken“, musste gestern Italiens Außenminister Paolo Gentiloni seinen EU-Außenministerkollegen in Luxemburg verkünden.

Bis zu 400 Flüchtlinge sollen gestern auf dem Weg von Ägypten nach Italien gestorben sein. Vier völlig überfüllte Schlauchboote mit Somaliern und Eritreern sind auf dem Weg nach Lampedusa gekentert. 108 Flüchtlinge wurden vor der Küste Libyens in letzter Sekunde gerettet. 20 starben auch dort.

Fast genau ein Jahr nach der letzten großen Flüchtlingstragödie vor Lampedusa – als ebenfalls Hunderte vor der Küste Italiens ertranken – haben damit wieder unzählige Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Immer mehr verzweifelte Menschen vertrauen sich erneut unsicheren und überfüllten Schlepperbooten an, um Italien zu erreichen – nachdem der EU-Türkei-Deal offenbar greift und die Westbalkanroute geschlossen bleibt.

Der Strom an Flüchtlingen reißt deswegen freilich nicht ab. 500.000 Flüchtlinge sollen alleine in Libyen auf eine illegale Überfahrt nach Lampedusa warten. Von dort aus versuchen sie dann, Mitteleuropa zu erreichen.

Viele versuchen nun auch, via Ägypten Europa zu erreichen. Ab Mai erwartet die EU eine neuerliche „Flüchtlingswelle“ – und damit wieder ­Tragödien im Mittelmeer.

EU will nun einen Deal mit "libyscher Regierung"

Gestern berieten die 28 EU-Außenminister in Luxemburg über die Flüchtlinge in Libyen, die Europa in den kommenden Wochen erreichen wollen. 
VP-Außenminister Sebastian Kurz sagte ÖSTERREICH: „Wir müssen die Menschen retten, aber das darf kein Ticket nach Europa bedeuten“. I. Daniel

Kurz © chrissinger

Kurz: "Müssen libyscher Küstenwache helfen"


Die EU-Außenminister berieten über die Flüchtlinge, die in Libyen warten. Im ÖSTERREICH-Interview erklärt er seine Ansichten.

ÖSTERREICH: Es sind gestern Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Muss Europa ihnen nicht helfen?

Sebastian Kurz: Natürlich müssen wir die Menschen retten. Aber retten darf kein automatisches Ticket nach Europa bedeuten. Man muss die Rettungs­aktionen von der Weiterfahrt nach Europa entkoppeln. Immer mehr Schlepper versuchen, Flüchtlinge über wackelige Boote nach Europa zu bringen. Sie gefährden das ­Leben der Flüchtlinge. Das müssen wir stoppen.

ÖSTERREICH: Wie wollen Sie das stoppen? Die Flüchtlinge starten von Ägypten oder Libyen. In Libyen warten Hunderttausende Flüchtlinge.

Kurz: Wir beraten über ­eine Kooperation mit der ­libyschen Regierung. Die ­libysche Küstenwache braucht eine Ausbildung durch die EU. Wir müssen möglichst nahe an die libysche Küste kommen mit den EU-Rettungsbooten und dem Grenzschutz.

ÖSTERREICH: Wie?

Kurz: Die libysche Regierung müsste die EU einladen, dort aktiv zu werden. Dar­um bemühen wir uns.

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