Hunderte Österreicher im Flutgebiet

Australien unter Wasser

Hunderte Österreicher im Flutgebiet

Jahrhundertflut in Australien: Zehntausende auf der Flucht, Milliardenschäden, 16 Tote. Aber auch ein Wunder: Das Flutbaby von Brisbane.

Es kam schnell und schlimm: „Die Flut schoss wie ein Inlands-Tsunami auf Brisbane zu“, sagt Der Wiener Alexander Lorenz (44), der seit 1993 immer in Australien überwintert. Die Zwei-Millionen-Stadt wurde teilweise geflutet, lahmgelegt: 130.000 Haushalte haben keinen Strom, 30.000 Häuser könnte die Flut noch wegschwemmen: „Schlimmer hat es nur Ipswich erwischt“, schildert Lorenz, eine Stadt bei Brisbane: „Sogar der größte Supermarkt ist in der Brühe verschwunden“.

Zuerst hat das Hochwasser Teile des nordöstlichen Bundesstaates Queensland überschwemmt, jetzt die Hauptstadt. In Panik schleppen Menschen ihre Möbel aufs Dach, Zehntausende flüchteten. Unter den Betroffenen auch Hunderte Österreicher.
Einer ist der Steirer Herbert Maierhofer (55), ehemaliger Inhaber einer Firma, die in Queensland Edelstahl erzeugt: „Ich habe so etwas in 34 Jahren, die ich jetzt hier bin, noch nie erlebt“, verzweifelt er. Alles sei ganz schnell gegangen: „Das Wasser kam wie eine Monsterwelle, drei, vier Meter hoch. Jetzt ist alles voller Schlamm. Unvorstellbar." Die Menschen seien bei Freunden, in Schulen, Sporthallen untergebracht. Die Behörden tun, was sie können: „ Aber die Flut ist so groß, dass sie hilflos sind“, sagt er.

Thomas Musters Ranch steht auf einem Hügel
Glück hatte bisher Ex-Tennisstar Thomas Muster, der bis 2002 mit der australischen TV-Moderatorin Jo Beth Taylor (ein gemeinsamer Sohn) verheiratet war: Seine riesige Ranch in Noosa Heads an der Sunshine Coast nördlich von Brisbane steht auf einer Anhöhe, ist nicht betroffen.

16 Todesopfer hat die Flut bisher gefordert. Inzwischen kam der Tod auch nach Brisbrane: Ein vierjähriger Bub fiel aus einem Rettungsboot. Inmitten der Katastrophe gibt es aber auch kleine Wunder: Eine hochschwangere Frau hat in ihrem eingeschlossenen Haus in Bright View im Westen Brisbanes plötzlich Wehen bekommen. Der Hubschrauber konnte nicht landen. Schließlich brachte die Frau ihren Sohn Callum Jack Wieland mit Hilfe von Familienmitgliedern auf die Welt.

Schuld an der Hochwasser-Katastrophe ist der Klimawandel, sagen Experten: „Die Gewässer vor Australien sind so warm wie noch nie, und diese Gewässer liefern die Feuchtigkeit für den Monsun in Queensland“, sagt Matthew England von der Uni in New South Wales.

ORF-Mann Alexander Lorenz in Brisbane:
Der österreichische Journalist Alexander Lorenz (44) berichtet aus Brisbane.

ÖSTERREICH: Wie schlimm ist die Situation?
ALEXANDER LORENZ: Das Wasser steigt unaufhaltsam, für Tausende Menschen gibt es jetzt nur noch die Flucht. Der Brisbane River, der mitten durch die Stadt (drei Mal so groß wie Wien) führt, schwoll dramatisch an. Das Leben ist zum Stillstand gekommen, Brisbane ist eine Geisterstadt, 130.000 Haushalte haben keinen Strom. Die Fluten reißen in Ufernähe alles mit: Motorboote, Autos, Container und ganze Häuser schwimmen vorbei.

ÖSTERREICH: Wie gehen die Menschen damit um?
LORENZ: Natürlich haben sie diese Katastrophe nicht mehr im Griff, drei Viertel von Queensland sind Katastrophengebiet. Die Australier sind aber Meister im Improvisieren – ein Bett, ein Dach überm Kopf, das reicht. Es hat 33 Grad, Milliarden Moskitos quälen. Jetzt steigt die Furcht vor Krankheiten durch verschmutztes Wasser – Cholera-Angst geht um.

ÖSTERREICH: Warum jetzt diese Flutkatastrophe?
LORENZ: Zuerst herrschten 14 Jahre Dürre. Jetzt kippte das Klima, weil sich der Pazifik erwärmt hat. Mehr Wasser verdunstet, die Wolken entladen sich über Queensland. Klimaphänomene wie El Niño und La Niña verstärken das. Niemand kann deshalb sagen, wie lange der Regen dauert.

Autor: K. Wendl
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