Hunderttausende feiern

Ägypten

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Hunderttausende feiern "Tag des Sieges"

Eine Woche nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak haben am Freitag hunderttausende Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo den "Freitag des Sieges" gefeiert und demokratische Reformen gefordert. Die Menge feierte das Ende der 30-jährigen Herrschaft Mubaraks und gedachte der mehr als 360 Menschen, die bei den Protesten gegen den Machthaber starben. Die Opposition verlangte von der Armee die Freilassung aller inhaftierten Demonstranten.

Volksfest
Die Stimmung auf dem Tahrir-Platz glich einem Volksfest. "Das ist eine Party. Wir sind froh, Mubarak ist weg", sagte ein Demonstrant. Am Rande des Platzes waren Panzer der Armee zu sehen, Soldaten überprüften die zum Platz kommenden Menschen an mehreren Zugangsschleusen. Die Streitkräfte nahmen aber auch an der Feier teil: Ein Armeeorchester spielte in Paradeuniformen patriotische Lieder. Dennoch demonstrierte die Menge für zügigere Reformen. Die Menge skandierte: "Weg mit der Regierung! Weg mit dem Ausnahmezustand!"

Druck aufrechterhalten
"Wir wollen den Druck auf das Militär aufrechterhalten", sagte ein Aktivist. Seit Mubaraks Rücktritt am Freitag vor einer Woche regiert in Ägypten das Oberkommando der Streitkräfte. "Heute haben die Menschen ihre Forderungen an die Militärführung bekräftigt. Sie haben gezeigt, dass sie jederzeit wieder auf die Straße gehen können", fügte Mann hinzu.

Freie Wahlen in den kommenden 6 Monaten
Der herrschende Militärrat verpflichtete sich seit Mubaraks Rücktritt zu freien Wahlen innerhalb von sechs Monaten. Er beließ aber zugleich die letzte, noch von Mubarak ernannte zivile Regierung im Amt. Die Demokratiebewegung verlangt eine vom alten Regime unabhängige Übergangsregierung, die Aufhebung des jahrzehntealten Ausnahmezustands sowie die Freilassung der politischen Gefangenen. Ansonsten sei dies ein Zeichen dafür, dass die Versprechen der Armee "nicht ehrlich" seien, sagte Mohamed Waked, einer der Organisatoren der Kundgebung am Freitag. Die genaue Zahl der festgehaltenen Demonstranten ist nicht bekannt, Menschenrechtler sprechen von "hunderten" Häftlingen.

365 Todesopfer

Die Teilnehmer der Kundgebung gedachten am Freitag auch der 365 Menschen, die bei den 18-tägigen Protesten ums Leben gekommen sind. Der Tahrir-Platz war der Mittelpunkt der landesweiten Demonstrationen gegen das Mubarak-Regime, die den Abgang des Präsidenten erzwungen hatten.

"Die Revolution ist noch nicht vorüber"
Mittags zelebrierte die Menge das Freitagsgebet. Geleitet wurde es von dem in Katar lebenden, ägyptischen Fernsehprediger Yussif al-Karadawi. Dem konservativen islamischen Theologen war es bisher verboten, in seiner Heimat öffentlich aufzutreten. "Die Revolution ist noch nicht vorüber", erklärte Al-Karadawi im politischen Teil seiner Predigt. "Ägypten muss erst aufgebaut werden. Setzt die Revolution fort, bleibt einig und lasst euch nicht spalten!", rief er den Gläubigen zu.

Mubarak-Anhänger "ehren und würdigen" Ex-Präsidenten
Aber auch mehrere tausend Anhänger des Ex-Präsidenten traten am selben Tag in Erscheinung. Im Kairoer Mittelklasseviertel Mohandessin zeigten sie ihr Bedauern über den Rücktritt Mubaraks. Die zumeist männlichen Kundgebungsteilnehmer erklärten, sie wollten Mubarak "ehren und würdigen". Der fast 30 Jahre herrschende Staatschef hält sich derzeit in seinem Feriendomizil im Sinai-Bad Sharm el-Sheikh auf.
Der regierende Militärrat startete inzwischen seine eigene Seite auf der Internet-Plattform Facebook. Die Armee wolle damit "die Jugend erreichen", hieß es in einer Stellungnahme vom Freitag. Die Demokratiebewegung hatte sich anfangs vor allem über Facebook organisiert und vernetzt. Ihren Erfolg schreiben Experten auch dieser hierarchiefreien und spontanen Kommunikationsweise zu.

Mehrere ehemalige Minister festgenommen

Erstmals seit der Entmachtung Mubaraks sind in Ägypten mehrere ehemalige Minister festgenommen worden. Örtliche Medien meldeten am Donnerstagabend, der ehemalige Innenminister Habib al-Adli, Ex-Wohnbauminister Ahmed al-Maghrabi sowie Ex-Tourismusminister Suhair Garana befänden sich in Untersuchungshaft. Ihnen sowie dem ebenfalls festgenommenen Politiker und Stahlmagnaten Ahmed Ess werde die Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Die Armee bestätigte zudem die Anhebung der Gehälter von Staatsbediensteten und Renten um 15 Prozent.

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