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ISIS-Geisel: In Wüste verschollen

Bangen um Daribor S.

ISIS-Geisel: In Wüste verschollen

Kontakt zu dem entführten Österreicher Dalibor S. (39) gibt es noch immer keinen. Auch sind keine Lösegeld- oder andere Forderungen eingegangen. Weder bei der Linzer Firma VAOS, für die er gearbeitet hat, noch bei österreichischen Stellen. Doch Experten des Außenamtes befürchten: Die Jihadisten sind nicht auf Geld aus. Nur auf Zerstörung und Gewalt.

DaliborS. war Unter-
Offizier beim Bundesheer
Fest steht aber: Austro-Geisel Dalibor S. und sein tschechischer Kollege Pavel H. lebten und waren unverletzt, als sie von schwer bewaffneten ISIS-Terroristen vergangenen Freitag vom Ölfeld al-Ghani in Zentrallibyen entführt wurden.

Die Terroristen, die mit 30 Fahrzeugen das Camp stürmten, luden die beiden mit sieben anderen Arbeitern (vier Philippiner, zwei aus Bangladesch, ein Ghanaer) auf einen Lkw, fuhren in Richtung Norden.

Dalibor S., zweifacher Vater (Tochter, Sohn) und Ex-Bundesheer-Unteroffizier, managte die Infrastruktur auf dem größten libyschen Ölfeld. Er gilt als wüstenerfahren, diente für die UN auf den Golanhöhen. „Er kannte die Gefahr“, sagte eine Nachbarin in Linz: „Er ist ein Bär von einem Mann.“

Sein Kollege, der Tscheche Pavel H., ist ein gelernter Koch aus Groß-Mezirici bei Brünn. Er war Versorgungs-Koordinator, sorgte für das Catering, die Wäsche. Erst im Februar verbrachte er einen dreiwöchigen Heimaturlaub bei seiner Familie (zwei Töchter, ein Sohn), bevor er wieder in die libysche Wüste fuhr.

Im Container
Auf dem Ölfeld arbeitete noch ein Tscheche: Lubos A. (34). Er konnte sich bei dem Überfall offensichtlich in der weitläufigen Anlage verstecken, berichtet die tschechische Zeitung iDNES.

Er fuhr inzwischen mit 52 Philippinern, die auf dem Ölfeld gearbeitet haben, zurück in die libysche Hauptstadt Tripolis. 36 Philippiner wollten sofort raus aus Libyen Erst am 3. Februar wurde ein anderes Ölfeld in Libyen von ISIS-Terroristen überfallen. Von ihnen (darunter drei Philippiner) fehlt bis heute jede Spur.

(wek, küe)

Todeszone: Drei Verstecke der Killer

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Die ISIS-Killer stürmten mit 30 Pick-up-Jeeps das kaum bewachte Ölfeld in Zentrallibyen. Die Infrastruktur auf dem Ölfeld wurde zerstört, um der Regierung die Ressourcen zu entziehen.

  • Fluchtrouten: Die ISIS-Schergen flüchteten mit ­ihrem Konvoi in Richtung Norden. Sie wollten wohl in die Küstenstadt Sirte am Mittelmeer. Sirte ist der Geburtsort von Ex-Diktator Muammar Gaddafi. Bis vor zwei Monaten war die Hafenstadt noch eine der Hochburgen der ISIS-Miliz. Nun bewachen aber al-Fajr-Milizen die Zufahrtsstraßen, eine moderate Islamisten-Gruppe. Einen Autokonvoi unbemerkt in die umkämpfte Stadt zu bringen, ist fast unmöglich.
  • Ölzentrum Ras Lanuf: Eine zweite Wüstenpiste führt in die Ölzentren Al Brega und Ras Lanuf, ebenfalls am Mittelmeer. Einige im Krieg gegen Gaddafi zerstörte ehemalige Hotelanlagen könnten als perfekter Unterschlupf für die Terroristen dienen. Niemand kon­trolliert diese Gebiet.
  • Köpfen am Strand: Im schlimmsten Fall brachten die Killer ihre Geiseln ins rund 800 Kilometer entfernte Derna, die Zentrale der ISIS-Kämpfer in Libyen. Hier wurden auch jene 21 ägyptischen Gastarbeiter festgehalten, die letztlich am Strand von ISIS-Henkern geköpft wurden.
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