26. Juli 2010 21:27
ÖSTERREICH: Wie haben Sie den Zugang durch den Tunnel erlebt?
Barendregt: Ich bin selbst Veranstalter und bin mit meiner Freundin
auf einem Truck mitgefahren. Wir sind sehr früh zum Gelände. Schon in der
Stadt war sehr viel los. Rund 300 bis 400 Meter vor dem Tunnel gab es einen
Checkpoint, um die Leute anzuhalten. Weil es so früh war, gingen wir
eigentlich ohne Probleme durch. Ich hatte kein beklemmendes Gefühl.
ÖSTERREICH: Wie viele Leute waren da am Gelände?
Barendregt: Gegen 16 Uhr habe ich um mich gesehen und war überrascht,
dass sich das Eventgelände so schnell gefüllt hat. Auf einmal war das
Gelände ausgelastet. Der Truck ist nur noch langsam durchgefahren. Ich habe
nie in meinem Leben so viele Menschen auf einmal gesehen. Vor dem Tunnel
sind sie Schulter an Schulter gestanden. Ich dachte, das dort hat Platz für
eine Million Menschen.
ÖSTERREICH: Wie war die Situation beim Tunnel?
Barendregt: In der Nähe des Tunnels sind die Leute die Wiese
hinaufgeklettert und wollten die Absperrungen überwinden. Nur wenige
Polizisten und Securitys standen ihnen gegenüber. Zuerst habe ich gedacht,
die wollen randalieren. Dann wurde klar, dass sie sich retten wollten. Zu
dieser Zeit bemerkte ich, dass die Rampe vor dem Tunnel total überfüllt war.
Gleichzeitig sah ich, dass auf der Autobahn Notfall-Zelte aufgestellt worden
sind und sehr viele Sanitäts-Fahrzeuge gekommen sind. Da dachte ich zum
ersten Mal, dass etwas passiert sein könnte.
ÖSTERREICH: Wie haben Sie von der Tragödie erfahren?
Barendregt: Es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine
Lautsprecher-Durchsagen durch die Veranstalter. Nur wenige Minuten später
informierte uns der Chef des Floats, dass es beim Tunnel ein Unglück mit
Toten gegeben hat. Mir wurde ganz mulmig. Ich wollte nur weg von da. Dachte
nur, wie kommen ich und meine Freundin vom Gelände runter. Die
Verantwortlichen sagten gleich, „bleibt hier auf dem Truck, das ist ein
sicherer Ort. Draußen ist die Hölle los.“ Zuerst habe ich nicht verstanden,
warum weitergefeiert wurde. Ein Abbruch hätte jedoch das totale Chaos
ausgelöst, das war schnell klar. Denn die Stimmung bei uns auf dem Truck war
weg und die Leute verunsichert. Man sagte uns, wir sollen Ruhe bewahren.
Teilweise ist das Handy-Netz ausgefallen. Wir haben später viele SMS
bekommen, ob es uns gut geht.
ÖSTERREICH: Wie haben Sie das Gelände verlassen?
Barendregt: So gegen 22 Uhr ist dann die Musik leiser geworden, es
wurden langsam weniger Leute. Wir haben überlegt, wie wir sicher weg können.
In der Stadt war überall Blaulicht, die Polizei hat alles abgesperrt. Mit
dem Zug sind wir zuerst nach Düsseldorf, dann nach Köln. Wir sind froh, dass
uns nichts passiert ist.