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Impfstoff-Skandal in China: 37 Festnahmen

Pharmaindustrie

Impfstoff-Skandal in China: 37 Festnahmen

In einem Skandal um massenhaft unsachgemäß gelagerte Impfstoffe sind in China mindestens 37 Verdächtige festgenommen worden. Dazu zähle ein Duo aus Mutter und Tochter aus der Provinz Shandong, das umgerechnet fast 80 Millionen Euro umgesetzt habe, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch. Der Skandal löste in sozialen Onlinenetzwerken einen Sturm der Entrüstung aus.

25 verschiedene Impfstoffe
Die beiden festgenommenen Frauen hätten eine zentrale Rolle bei den illegalen Machenschaften gespielt, schrieb Xinhua unter Berufung auf Behördenangaben. Die Behörden machten den Fall erst in diesem Monat öffentlich, obwohl die beiden Frauen bereits im April 2015 festgenommen worden waren. Sie sollen seit dem Jahr 2010 illegal Chargen von 25 verschiedenen Impfstoffen verkauft haben, deren Mindesthaltbarkeit abgelaufen war oder die unsachgemäß gelagert worden waren.

Die Geschäfte des Duos hatten laut Xinhua einen Umfang von 570 Millionen Yuan (78,2 Millionen Euro). Das Magazin "Caijing" berichtete, die beiden Frauen hätten unter anderem Impfdosen gegen Polio, Tollwut, Hepatitis B und Grippe sowohl für Erwachsene als auch für Kinder verkauft.

Ermittlungen gegen drei Pharmaunternehmen
Am Wochenende hatte die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde der Provinz Shandong im Osten des Landes 107 Großhändler identifiziert, die das Duo belieferten, sowie landesweit 193 Abnehmer ihrer Impfdosen. Laut Xinhua wurden gegen drei Pharmaunternehmen wegen mutmaßlichen Geschäften mit nicht lizensierten Großhändlern Ermittlungen eingeleitet, eines von ihnen musste seine Produktion einstellen.

Am Mittwoch wurde laut einem Medienbericht überdies eine Frau aus der ostchinesischen Provinz Anhui zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von 10.000 Yuan verurteilt, weil sie gefälschte Tollwut-Impfdosen verkauft hatte. Ein Mensch sei dadurch ums Leben gekommen, berichtete das Internetportal "Anhui News".

Gesundheitsskandale
China wurde in der Vergangenheit immer wieder von Gesundheitsskandalen erschüttert. Im Jahr 2008 waren an verunreinigtem Milchpulver sechs Kinder gestorben, etwa 300.000 weitere erkrankten. Derartige Skandale erschüttern das Vertrauen der Bevölkerung in die kommunistische Regierung. Auch der Impfskandal löste in den sozialen Onlinenetzwerken einen Sturm der Entrüstung aus.

"Was wir wollen, sind billige Wohnungen, freie Schulbildung, freie Gesundheitsversorgung, ungiftige Lebensmittel, ungiftiges Wasser und ungiftige Luft wie in anderen Ländern auch", schrieb ein Nutzer im chinesischen Kurzbotschaftendienst Weibo. Ein anderer warf den Behörden Untätigkeit vor: Das chinesische Gesundheitsministerium sei "nichts als ein dekoratives Ornament".

"Große Besorgnis"
Eine Mutter schrieb in dem Kurzbotschaftendienst, dass ihr Kind eigentlich geimpft werden müsse. Der Skandal habe sie aber verunsichert. "Was soll ich tun?", fragte sie.

Ministerpräsident Li Keqiang hatte am Dienstag in einer Erklärung eingeräumt, dass der Impfstoffskandal "große Besorgnis" auslöse. Er habe zudem "die Existenz vieler regulatorischer Schlupflöcher offen gelegt".

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte, Impfstoffe mit abgelaufener Haltbarkeit stellten vor allem insofern ein Risiko dar, als die Betroffenen somit nicht ausreichend vor Krankheiten geschützt seien. Direkte gesundheitliche Beschwerden durch die Impfchargen seien aber unwahrscheinlich.

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