Irrer Kim schockt mit Raketenstart

Weltgemeinschaft brüskiert

Irrer Kim schockt mit Raketenstart

Nur einen Monat nach seinem Atomtest hat Nordkorea trotz scharfer internationaler Warnungen eine Langstreckenrakete gestartet und damit offenbar ein Objekt ins Weltall gebracht. Im nordkoreanischen Staatsfernsehen hieß es am Sonntag, der von Staatschef Kim Jong-un angeordnete Start sei ein voller Erfolg gewesen. Nun umkreise der Satellit "Kwangmyongsong-4" alle 94 Minuten die Erde.

Es gab zunächst keine unabhängige Bestätigung dafür, dass die letzte Stufe der Trägerrakete tatsächlich die Erdumlaufbahn erreichte. Ein Vertreter der US-Armee sagte, dass die Trägerrakete "anscheinend" das Weltall erreicht habe. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte zuvor berichtet, dass die zweite Raketenstufe offenbar nicht funktioniert habe.

Start war angekündigt

Der Start der Rakete erfolgte um 01.30 Uhr MEZ in südlicher Richtung. Zwar hatte die japanische Regierung angekündigt, bei einer Gefährdung des Landes werde das Militär die Rakete abfangen. Dem Sender NHK zufolge wurde jedoch kein derartiger Versuch unternommen. Nordkorea hatte den Start vorher angekündigt. Er fand wenige Wochen nach einem Atomtest statt. Im nordkoreanischen Staatsfernsehen hieß es, man werde auch in Zukunft Satelliten ins All schießen.

Angst vor Atomraketen-Tests

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Raketenstart, der bestehende Resolutionen des Sicherheitsrats verletze. Mehrere Resolutionen des Rates verbieten Nordkorea die Nutzung ballistischer Raketen. Es wird befürchtet, dass Nordkorea ein derartiges Geschoß mit einem atomaren Sprengkopf bestücken könnte und damit in der Lage wäre, neben Südkorea und Japan auch die Westküste der USA zu bedrohen. Die Regierung in Pjöngjang spricht dagegen von einem legitimen Weltraumprogramm.

Der UN-Sicherheitsrat in New York soll um 11.00 Uhr (Ortszeit; 17 Uhr MEZ) zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen. Die USA, Japan und Südkorea hätten darum gebeten, hieß es in Diplomatenkreisen.

Weltgemeinschaft brüskiert

International wurde der Raketenstart einhellig verurteilt. Die USA bezeichneten den Raketenstart als "destabilisierend, provokativ und flagrante Verletzung" zahlreicher UN-Resolutionen. Die Vereinigten Staaten würden sich für "ernste Konsequenzen" einsetzen, teilte US-Sicherheitsberaterin Susan Rice in Washington mit. Außenminister John Kerry erklärte, die USA würden mit ihren Partnern und Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates weiter an "bedeutenden Maßnahmen" arbeiten, um Nordkorea zur Rechenschaft zu ziehen.

Die USA drängen China, schärferen Sanktionen gegen Nordkorea zuzustimmen, dessen Rückhalt bei der Führung in Peking seit geraumer Zeit schwindet. Der größte Wirtschaftspartner des Landes hatte Pjöngjang mehrfach vergeblich zur Zurückhaltung aufgefordert, um die Spannungen in der Region nicht weiter eskalieren zu lassen. Nach dem dennoch erfolgten Raketenstart machte Chinas Regierung über die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua denn auch ihr "Bedauern" publik.

Provokation

Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye warf dem kommunistischen Regime in Pjöngjang eine schwere Provokation vor, die nicht toleriert werden könne. Sie forderte - wie schon nach dem Atomtest des Nachbars - harte Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen Nordkorea.

Auch Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sprach von einem Verstoß gegen UN-Resolutionen. Sein Regierungssprecher Yoshihide Suga sagte, der Raketenabschuss sei eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit der Welt. Man werde bei Pjöngjang vehement protestieren.

Nordkorea hatte zuletzt Ende 2012 eine Weltraumrakete abgefeuert. Schon der Start damals wurde weltweit verurteilt. Nach dem vierten Atomtest Nordkoreas am 6. Jänner dieses Jahres nahm der UN-Sicherheitsrat Diskussionen über schärfere Sanktionen gegen Pjöngjang auf.
 

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