Irrer Kim setzt auf Konfrontation

Wasserstoffbombe

© Reuters

Irrer Kim setzt auf Konfrontation

Nordkorea feiert es als Meilenstein seiner Atomwaffenentwicklung, für den Rest der Welt ist es ein Schock. Zwei Tage vor seinem Geburtstag lässt Machthaber Kim Jong-un einmal mehr die Muskeln spielen:

Am Mittwoch vermeldeten die Staatsmedien, Nordkorea habe erstmals eine Wasserstoffbombe getestet - eine Waffe, die schwieriger zu bauen ist als eine herkömmliche Atombombe, aber deren Sprengkraft um das Vielfache übersteigt.

Besonders für Südkorea und China ist der neue Atomtest ein Affront des jungen Diktators, der Anfang 30 sein soll. Zuletzt glaubte man, jeder auf seine Weise, im neuen Jahr eine Annäherung an das international isolierte, stalinistische Regime erzielen zu können.

Ob es sich nach den drei früheren Atomtests diesmal nun wirklich um eine voll entwickelte Wasserstoffbombe gehandelt hat, wird in Südkorea und von Experten zwar stark bezweifelt. Doch hegt niemand Zweifel an der Entschlossenheit Pjöngjangs, sein Ziel erreichen zu wollen, eine Atomstreitmacht als Abschreckung aufzubauen.

Die nukleare Aufrüstung rechtfertigt die Diktatur mit einer angeblichen Bedrohung durch die USA. Erstmals hatte Nordkorea vor zehn Jahren eine Atombombe getestet. Mit den Tests verletzt Nordkorea Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats.

Die Hoffnungen Südkoreas, die "teuflische Spirale" von Provokationen, Drohungen und anschließenden Wiederannäherungen beenden zu können, erhalten durch den Test einen Dämpfer. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye machte unmissverständlich klar, dass das Nachbarland einen Preis dafür zahlen müsse. Jetzt fürchten die Menschen in der Region, dass auf die wahrscheinliche Verschärfung von Sanktionen neue Drohgebärden von Kim folgen.

"Die Nordkoreaner sollten eigentlich genau wissen, was auf sie zukommen wird", sagt der Leiter des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul, Lars-Andre Richter. Besonders für die innerkoreanischen Beziehungen bedeute der neue Test "zwei Schritte zurück". Noch im August hatten beide Länder eine Vereinbarung über eine vorsichtige Annäherung beschlossen. Da sei man wohl zu gutgläubig gewesen, bilanziert Richter.

Nordkorea hatte allerdings mehrmals mit einem neuen Atomtest gedroht. Immer wieder warnten auch Militärs und der Geheimdienst in Südkorea, dass das Nachbarland das Atomtestgelände Punggye-ri im nordöstlichen Kreis Kilju ausbaue und jederzeit einen neuen nuklearen Sprengsatz zünden könne.

Auch ist das Land schon lange dabei, sein Atom- und Raketenprogramme zu synchronisieren. Ein Raketentest in naher Zukunft wird daher jetzt nicht ausgeschlossen.

"Ich bin nicht sehr überrascht von dem Test", sagt so auch der Forscher Park Hyeong-jung vom staatlichen Koreanischen Institut für Nationale Vereinigung in Seoul. Der erste Grund für den neuen Test sei es, die Fähigkeiten zum Bau von Atombomben zu verbessern. Ein anderer Grund sei, dass Kim Jong-un seine Stellung weiter stabilisieren wolle.

Ähnlich sieht das der Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe, Hartmut Koschyk (CSU): "Er (Kim) muss sich gegenüber dem militärischen Komplex beweisen." Koschyk war zuletzt im Oktober in Pjöngjang. Damals hieß es in der Hauptstadt, dass schon länger eine Verhärtung der Position Pjöngjangs im Atomstreit und besonders gegenüber den USA zu erkennen sei. Der Machthaber wolle die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft und vor allem Washingtons auf sich lenken und "direkte Gespräche mit den USA auf Augenhöhe erzwingen". "Er scheint seine Position aber zu überschätzen", sagte Koschyk.

Der internationale Druck auf Nordkorea dürfte jetzt wieder wachsen. Besonders für Peking ist die Enttäuschung groß, dass Kim seine Warnungen vor einem neuen Atomversuch in den Wind geschlagen hat. Nach einer längeren Eiszeit hatte die chinesische Führung erst im Oktober ein Politbüromitglied als Ehrengast zur Militärparade zum 70. Gründungstag der nordkoreanischen Arbeiterpartei nach Pjöngjang geschickt und damit ein Tauwetter in den Beziehungen eingeleitet. Die Expertin Yu Yingli vom Institut für Internationale Studien in Shanghai prognostiziert, das sich die Beziehungen zwischen China und Nordkorea jetzt wieder verschlechtern.

Auch Experte Park befürchtet, dass sich ähnlich wie nach dem Test im Februar 2013 die Spannungen wieder verschärfen, bevor sich die Lage wieder beruhigen könnte. "Nordkorea hat keine Angst vor Sanktionen", sagt er.
 

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