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Putins Kriegs-Spiele

Ist er noch zu stoppen?

Putins Kriegs-Spiele

Russland schafft Fakten. Im Nordwesten des Landes stiegen gestern für Militärmanöver Kampfjets und Bomber auf. Auf der Krim stürmten und besetzten russische Milizen das Hauptquartier der ukrainischen Marine, der Marine-Chef Sergej Gajduk wurde gefangen genommen. Reaktion: Die Ukraine stellte ein Ultimatum zu seiner Freilassung. Drei Stunden (bis 20 Uhr, Mittwoch) habe man Zeit, wäre Gajduk dann nicht frei, käme eine „angemessene Antwort“.

Bereits am Dienstag – nach Wladimir Putins Brandrede gegen den Westen – wurden zwei Soldaten bei Erstürmungen in Simferopol getötet.

50.000 ukrainische Soldaten auf Krim

Die Krim hat er sich bekanntlich bereits einverleibt. 50.000 ukrainische Soldaten mit Schießerlaubnis sitzen dort noch fest. Vitali Klitschko verlangt, dass diese nach Kiew gebracht werden. Derzeit harren sie in Sewastopol aus.

Greift Putin nun nach 
weiteren Ländern?

Russlands Nachbarländer sind besorgt, dass Putins Hunger nach weiteren Regionen steigen könnte. Sie verlangen Hilfe vom Westen. Die ukrainische Präsidentschaftskandidatin Julia Timoschenko behauptet gar: „Putin legt es da­rauf an, die Welt zu zerstören.“ Der Westen ringt indes verzweifelt um eine Antwort.

  • Die USA drohen dem Mann aus Moskau nun unverhohlen: „Sollte ein NATO-Land angegriffen werden, schlagen wir zurück.“
  • UNO-General Ban Ki-moon fliegt am Freitag nach Moskau, um Putin zu besänftigen.
  • Die G-7-Staaten, die mächtigsten Industrienationen, haben für kommende Woche eine Krisensitzung einberufen.
  • Und die EU-Regierungschefs beraten ab heute in Brüssel über weitere Sanktionen gegen den Kreml. Bislang hatte die EU 21 zweitrangige ­Putin-Getreue mit Samthandschuhen angefasst und deren Konten gesperrt. Auch die USA wollen neue Maßnahmen gegen Freunde Putins beschließen. Und Putin selbst? Der droht mit Gegensanktionen und verhöhnt den Westen.

Moskau feiert Putin, 
Westen berät noch

Aus gutem Grund: Nachdem Putin am Dienstag vor dem Parlament in Moskau seine Brandrede gegen den Westen gehalten hatte, feierten ihn 120.000 Menschen am Roten Platz.

Während US-Präsident Ba­rack Obama und Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel ihn per Telefon immer wieder zum Einlenken bewegen wollten. Mit Wirtschaftssanktionen wollen USA und EU nicht antworten – aus Angst vor der eigenen Wirtschaft …

Lendvai: "Putin hat Komplexe"

ÖSTERREICH: Herr Professor, was will Putin eigentlich?
Paul Lendvai: Seine Idee ist: Macht. Und er hat gemerkt, dass die nationale Karte zieht. Daraus entsteht eine gefährliche Nostalgie – der Wunsch nach dem starken Mann.

ÖSTERREICH: Welches Land nimmt er sich nach der Krim?
Lendvai: Er weiß, dass er politisch freie Hand hat, die Krim war nur ein Probegalopp, aber man muss ein Land nicht ­unbedingt besetzen. Angst machen und destabilisieren bringt auch Einfluss.

ÖSTERREICH: Ist Putin wirklich ein neuer Hitler?
Lendvai: Nein, er ist weder Hitler noch Stalin, aber er hat eine Persönlichkeit, die in den letzten 15 Jahren eine Entwicklung ins Böse und ­Unberechenbare genommen hat. Er hat in Dresden als KGB-Oberstleutnant den Zerfall der Sowjetunion erlebt und will den scheinbaren Glanz eines Großrusslands wiederherstellen. Seine Komplexe, Neidgefühle und unterdrückte Minderwertigkeitsgefühle spielen eine große Rolle. Er will alle überzeugen, dass er der Größte und Stärkste ist – obwohl er nicht 1,90 Meter ist.

B. Haas

Julia Timoschenko: "Wir müssen unser Land verteidigen"

Julia Timoschenko wählte heftige Worte: Die Rede Putins sei „ungefilterter Faschismus“ gewesen.
Ihre entschlossene Strategie dagegen skizzierte die ukrainische Ex-Regierungschefin in der Bild-Zeitung. Timoschenko: „Wie man ihn stoppen kann? Fragen Sie irgendeinen deutschen ­Polizisten, was er machen würde, wenn er einen betrunkenen und außer Kon­trolle geratenen Autofahrer sieht, der mit Vollgas auf einen voll besetzten Bus zufährt. Ich denke, dass es vielleicht nicht ausreichen würde, die Pfeife zu benutzen. Wir müssen unser Land verteidigen – koste es, was es wolle.“ Und: „Wir sind gezwungen, dem Aggressor eins gegen eins gegenüberzustehen. Wir sehen keinen anderen Weg.“

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