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Italien: Zahl verschwundener Flüchtlingskinder explodiert

Plus von 44 Prozent

Italien: Zahl verschwundener Flüchtlingskinder explodiert

In Italien wächst die Sorge wegen der großen Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Seit Anfang 2017 haben 12.239 unbegleitete Kinder und Jugendliche Italien erreicht, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten UNICEF-Studie hervorgeht. 93 Prozent der in Italien eingetroffenen Minderjährigen kamen alleine nach Italien.

Die meisten Minderjährigen sind Burschen zwischen 16 und 17 Jahren. Sie berichteten meist, dass die Zeit in Libyen die schwierigste ihrer Reise gewesen sei. 47 Prozent erzählten, sie seien in Libyen zu Erpressungszwecken entführt worden.

Stark steigende Zahl unbegleiteter Minderjähriger

Die wachsende Zahl unbegleiteter Minderjähriger unter den in Italien ankommenden Flüchtlingen macht den italienischen Behörden zunehmend Sorgen. Im vergangenen Jahr verschwanden laut dem italienischen Innenministerium insgesamt 27.005 minderjährige Migranten, die ohne Begleitung von Erwachsenen in Italien eingetroffen waren, spurlos. Dies entspricht einem Plus von 44 Prozent gegenüber dem Jahr 2015, als 18.360 minderjährige Flüchtlinge verschwanden.

Die meisten minderjährigen Migranten sind in eigenen Flüchtlingseinrichtungen für Jugendliche untergebracht, wo sie bis zu ihrer Identifizierung eineinhalb Jahre verbringen müssen. Einige tauchen einfach unter.

Die Betreuung von unbegleiteten Kindern wurde in Italien in den vergangenen Jahren verbessert. So wird für minderjährige Flüchtlinge eine Person eingesetzt, die sich um die Fürsorge und um die Zusammenführung mit Familienangehörigen kümmert. Das italienische Parlament hat Ende März zudem ein Gesetz zum Schutz von Migrantenkinder, die ohne Eltern in Italien eintreffen, verabschiedet. Das Gesetz gewährt Migrantenkindern dieselben Rechte wie europäischen Minderjährigen. Sie dürfen daher nicht abgeschoben werden. Italienischen Gemeinden, die unbegleitete Flüchtlingskinder aufnehmen, wird besondere finanzielle Unterstützung garantiert. Dazu wird ein Netz von Heimen für Flüchtlingskinder aufgebaut.

Die Zahl der Flüchtlinge, die seit Anfang 2017 über das Mittelmeer nach Italien gekommen ist, ist gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. 93.417 Migranten erreichten seit Jahresbeginn die italienische Küste, das sind 5,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie das Innenministerium in Rom am Dienstag mitteilte.

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