Jetzt droht zweite Schlamm-Lawine

Gift-Katastrophe in Ungarn

© Reuters

Jetzt droht zweite Schlamm-Lawine

Sieben Tote, über 150 Verletzte, Tausende verendete Tiere, vergiftete Flüsse und ein Boden, der über Jahrzehnte hinweg verseucht bleiben wird: Das ist die aktuelle Schreckensbilanz der Umweltkatastrophe in Westungarn, ausgelöst durch einen gebrochenen Damm am Auffangbecken der Aluminiumfabrik MAL AG am Montag.

Evakuierung wegen neuer Risse im Auffangbecken
Jetzt droht eine Überschwemmung noch größeren Ausmaßes: Neue Risse im Auffangbecken der Aluminiumfabrik MAL AG sind aufgetaucht. Der Damm drohe nun komplett einzustürzen, sagte der Leiter des regionalen Katas­trophenschutzes, Tibor Dobson.

Alle 800 Bewohner von Kolontar mussten gestern wegen der drohenden erneuten Überflutung ihre Häuser verlassen. Sie werden in Notunterkünften, in Sporthallen und Schulen der Umgebung untergebracht.

Einsatzkräfte bauen bis Montagfrüh einen neuen, 400 Meter langen und 5 Meter hohen Damm, um das Dorf Kolontar vor der möglichen Rückkehr des giftigen Schlamms zu schützen. Der Damm soll jene Häuser, die bisher von einer Überflutung verschont blieben, vor den tödlichen Schlamm-Massen bewahren. Nun bereitet man sich im Nebenort Devecser ebenfalls auf eine Evakuierung vor (s. Interview unten).

Katastrophe hätte verhindert werden können
Der Wahnsinn: Die Umweltkatastrophe hätte offenbar verhindert werden können: Laut WWF sei der Damm des Beckens schon seit Monaten undicht gewesen. Ein Foto vom Juni 2010 zeige, dass bereits damals Rotschlamm ausgeflossen sei. Besonders makaber mutet der Text auf der Homepage der Firma MAL AG an: „Der Schutz der Reinheit der natürlichen Ressourcen ist durch moderne Technologien und Einrichtungen gesichert.“ Und weiter: „Der Rotschlamm wird in gut lokalisierten, modern ausgebauten, betriebssicheren und mit Monitoringsystem versehenen Deponien gelagert.“

Zsolt Vrasko, Chef der Leier Baustoffe in Devescer, zur Lage

ÖSTERREICH: Herr Vrasko, Ihr Ort Devecser könnet in Kürze ebenfalls evakuiert werden. Wie sind Sie vorbereitet?

Zsolt Vrasko: Der Riss im Damm wird immer schlimmer. In Kolontar wurden alle Menschen evakuiert. Bei uns sind alle Vorbereitungen für eine Abreise erledigt.

ÖSTERREICH: Was mussten Sie da machen?

Vrasko: Wir wurden aufgefordert, die wichtigsten Sachen zu sammeln und einzupacken. Die Autos der Bewohner stehen abfahrbereit bis oben hin voll mit Koffern vor den Haustüren. Die Menschen warten auf weitere Polizei-Anweisungen per Lautsprecher.

ÖSTERREICH: Wie ist die Stimmung?

Vrasko: Die Leute haben große Angst, dass sie weg müssen. Aber sie wissen nicht, wohin. Und sie wissen nicht, was mit ihren Häusern passiert.

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