Kaczynski-Absturz: Russland gibt Polen Schuld

Flugzeugunglück

© Reuters/AP

Kaczynski-Absturz: Russland gibt Polen Schuld

Die russischen Behörden weisen die Schuld am Flugzeugunglück in Smolensk, bei dem der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski ums Leben kam, von sich. Aus dem Abschlussbericht der russischen Untersuchungskommission gehe hervor, dass vor allem die polnischen Piloten die Verantwortung trügen, berichtet die Zeitung "Gazeta Wyborcza" unter Berufung auf Quellen in der Kommission.

Der Bericht, den die polnische Regierung jüngst erhielt, verneine eine Mitschuld etwa der Fluglotsen in Smolensk, so die Zeitung. Allerdings nenne das Dokument 72 Begleitumstände, die das Unglück begünstigt hätten. Es enthalte auch sieben Empfehlungen, wie solche Katastrophen in Zukunft vermieden werden könnten. Die polnische Seite habe nun 60 Tage Zeit, eine Stellungnahme zu dem Bericht abzugeben, dann werde er veröffentlicht, so die "Gazeta Wyborcza".

"Kein Hinweis auf Anschlag

Allerdings konnten die russischen Ermittler auf Beweismittel zurückgreifen, die von der polnischen Staatsanwaltschaft bisher vergeblich eingefordert wurden. Dazu gehören Informationen über den Flughafen in Smolensk und die Aufzeichnung der Unterhaltung der Fluglotsen vor dem Unglück. Das Dokument enthält nach Informationen der "Gazeta Wyborcza" auch die Ergebnisse eines Kontrollflugs am Flughafen, der die technischen Einrichtungen überprüfen sollte. Polen hatte vergeblich gebeten, an diesem Flug teilzunehmen.

Die polnische Militärstaatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche erklärt, sie schließe bisher keine der möglichen Ursachen für das Unglück aus. Der Leiter der zuständigen Staatsanwaltschaft Ireneusz Szelag erklärte jedoch, bisher gebe es "keinen Hinweis darauf, dass es sich um einen terroristischen Anschlag gehandelt haben könnte".

Vorwürfe an Fluglotsen

Polnische Experten diskutierten in den vergangenen Wochen eine mögliche Mitschuld des Flughafens. So hätte dieser wegen der schlechten Wetterverhältnisse geschlossen werden müssen, lautete ein Argument. Außerdem warnten die Flutlosen die Piloten zwar vor dem dichten Nebel in Smolensk, wie aus den Aufzeichnungen der Flugschreiber hervorgeht. Beim Landeanflug signalisierten sie jedoch lange Zeit, dass sich die Maschine  korrekt auf ihr Ziel zubewege. Erst kurz vor dem Aufprall gaben die Fluglotsen den eindeutigen Befehl zum Abdrehen.

Die Regierungsmaschine vom Typ Tupolew war am 10. April auf dem Weg ins russische Katyn, um der Opfer des Massakers an rund 22.000 Polen während des Zweiten Weltkriegs zu gedenken. Neben Präsident Lech Kaczynski starben alle weitere 95 Passagiere, darunter die Präsidentengattin, zahlreiche Abgeordnete und die gesamte Militärführung.

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