Todes-Drama am K2

Todes-Drama am K2

Kaltenbrunner: "Ich hörte ihn schreien"

24 Stunden nach der Tragödie, bei der Fredrik Ericsson, ein 35-jähriger Schwede, in den Tod gestürzt ist: das K2-Basislager auf 5.000 Meter Höhe. Eine Steinhalde, 25 Zelte, 40 Bergsteiger. Samstagittag. Starker Wind, Regen peitscht: „Die Stimmung ist sauschlecht“, sagt Christian Stangl, steirischer Extrembergsteiger und Bergkamerad von Gerlinde Kaltenbrunner zu ÖSTERREICH. Sein Zelt steht nur 100 Meter von jenem Kaltenbrunners entfernt. Seit Freitagnacht (Ortszeit) ist Gerlinde Kaltenbrunner wieder zurück im Hauptcamp. 14 Stunden hat ihr Abstieg gedauert.

„Ich hab’ nur gesehen, wie er sich überschlägt“
Der Schock sitzt tief bei ihr. Ob sie das Unglück vom K2 jemals verarbeiten wird können? Kaltenbrunner weiß es nicht: „Ich kann es auch gar nicht recht glauben, dass das passiert ist“, sagte sie in einem ersten Interview per Satellitentelefon mit ORF -Oberösterreich: „Ich habe nur gesehen, dass er stürzt und dass es ihn überschlägt. Er hat noch geschrien und dann war er weg.“.

„Es war ein dummer Leichtsinnsfehler....“
Kaltenbrunner war Freitag um 1.30 Uhr vom Basislager IV in 8.000 Meter Höhe aufgebrochen. Mit ihr der Schwede Fredrik Ericsson, ein 35-jähriger Extremskifahrer. Er wollte mit Skiern vom K2 abfahren. Der Weltrekordversuch ein verrücktes Unterfangen.

Kaltenbrunner und Ericsson kannten einander erst kurz. Am Berg aber gilt blindes Vertrauen. Kaltenbrunner: „Bei den weniger steilen Passagen haben wir das Seil weggegeben.“ Bei steileren Anstiegen wollten sie wieder in einer Seilschaft gehen. Kurz vor acht Uhr früh erreichte das Duo den sogenannten Flaschenhals. Ein extrem steiler, gefährlicher Felsgrat: „Der heimtückischste Teil des Berges“, sagt Extremkletterer Reinhold Messner zu ÖSTERREICH.

Ericsson stieg vor: „Er wollte einen Haken einschlagen“, schildert Kaltenbrunner, „da muss ihm ein ziemlich großer Brocken ausgebrochen sein.“ Ericsson rutschte weg, stürzte 1.000 Meter tief ab.

Ralf Dujmovits, 48, deutscher Ehemann Kaltenbrunners, kann es noch immer nicht glauben, dass so ein Fehler passieren kann. Ericsson habe beim Einschlagen des Hakens schlicht zu wenig darauf geachtet, ob er einen festen Stand hat: „Ein Leichtsinns-Fehler“, sagt Dujmovits. Mit dem schlechten Wetter habe der Unfall nichts zu tun: „Er hat sich zu wenig konzentriert und ist abgerutscht.“

Gerlinde Kaltenbrunner wird noch heute das Basiscamp verlassen. Zwei, drei Tage wird der Abstieg dauern. Ende kommender Woche will sie am Gardasee die schreckliche Tragödie verarbeiten.

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