Korsika: Heftige Proteste gegen Araber

Frankreich in Sorge

Korsika: Heftige Proteste gegen Araber

Auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika ist es zu tagelangen anti-arabischen Protesten gekommen, bei denen ein muslimisches Gebetshaus demoliert und mehrere Koranausgaben beschädigt wurden. Die Ausschreitungen in einem Problemviertel der Hauptstadt Ajaccio alarmierten die Regierung in Paris, die Inselverwaltung befürchtet einen großen Imageschaden für das Urlaubsparadies.

Straßenschlachten, Brandstiftung, Attacken auf Polizisten
Vertreter muslimischer Gemeinden riefen am Wochenende zur Ruhe auf. Auslöser der anti-arabischen Unruhen war eine stundenlange Straßenschlacht am Donnerstagabend: Eine Gruppe Vermummter hatte in dem Einwandererviertel zunächst ein Feuer gelegt, um gezielt Feuerwehr und Polizisten anzulocken, wie die Behörden mitteilten. Beim Eintreffen der Beamten seien diese von Vermummten "mit Eisenstangen und Baseballschlägern" angegriffen worden, berichtete ein Feuerwehrmann. "Es hätte Tote geben können." Zwei Feuerwehrleute und ein Polizist wurden verletzt. Mindestens einer der jugendlichen Angreifer soll anti-korsische Parolen gerufen haben.

Randale in Einwandererviertel
Als Reaktion kam es zunächst am Freitagabend zu einer anti-arabischen Demonstration, an der sich etwa 600 Menschen beteiligten. Immer wieder wurden Rufe wie "Araber raus" und "Wir sind hier zu Hause" laut. Laut Polizei scherten etwa 300 Demonstranten aus und zogen zu einer Siedlung, in der viele Einwanderer leben. Dort schlugen sie die Glastür zu einem Gebetssaal ein und verwüsteten den Raum. Mehrere Koranausgaben wurden angezündet.

Korsika © AFP
Ein Bild des zerstörten Gebetssaals.

Erneute Demonstrationen
Trotz aller Appelle zur Ruhe und einem Großaufgebot an Sicherheitskräften zogen auch am Samstagabend wieder etwa hundert Demonstranten durch Ajaccio, riefen "Araber raus" und "Dies ist unsere Heimat". An einem Wohngebäude in der selben Siedlung, in der das am Vorabend beschädigte Gebetshaus liegt, wurden gläserne Eingangstüren zerschlagen.

Valls verurteilt Unruhen

Premierminister Manuel Valls verurteilte die Unruhen scharf. "Nach der unannehmbaren Attacke auf Feuerwehrleute eine unannehmbare Schändung eines muslimischen Gebetsorts", schrieb er auf Twitter. Innenminister Bernard Cazeneuve sprach von "ausländerfeindlichen und rassistischen" Ausschreitungen. Der Rektor der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, sagte im Fernsehsender BFMTV, er sei "bestürzt und traurig". Wichtig seien jetzt "Ruhe und Gelassenheit".

Versammlungsverbot
Der Präfekt von Korsika zeigte sich wegen der Außenwirkung für die Insel beunruhigt, die vom Tourismus in den Sommermonaten lebt. "Ich habe mich mit einer Delegation getroffen und sie aufgerufen, diese Demonstrationen zu stoppen, die ein verheerendes Bild von Korsika vermitteln", sagte Christophe Mirmand vor Journalisten. Die anti-arabischen Demonstranten begrüßten ihrerseits das Versprechen der Behörden, "Polizisten in allen Siedlungen einzusetzen".
Nach den rassistischen Ausschreitungen sind in Teilen der korsischen Hauptstadt Ajaccio weitere Kundgebungen untersagt.
 

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