Krebs-Alarm rund um Atommülllager

Radioaktivität

 

Krebs-Alarm rund um Atommülllager

Einzelne Daten gab es schon länger, doch erst jetzt fügten sich die nüchternen Zahlen zu einem alarmierenden Gesamtbild: In der Region rund um das marode Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel in Deutschland sind in den vergangenen Jahren weitaus mehr Menschen an Leukämie erkrankt als im statistischen Mittel. Politiker aller Parteien zeigten sich am Freitag bestürzt und forderten eine rasche Untersuchung möglicher Zusammenhänge mit radioaktiven Stoffen oder einer zu hohen Strahlenbelastung. Ein Nachweis wäre - ähnlich wie bei den Blutkrebs-Fällen in der Nähe des Kernkraftwerks Krümmel in der Elbmarsch - indes schwierig zu führen.

Ursache unklar
Nach Einschätzung der Nuklearmedizinerin Elke Bruns-Philipps aus dem Landesgesundheitsamt gibt es für den Blutkrebs-Anstieg in der "Samtgemeinde" (Gemeindeverband) Asse zwischen 2002 und 2009 bisher keine schlüssige Erklärung. "Wir wissen um die Häufigkeit, können aber noch keine weitergehenden Analysen zu einzelnen Patienten machen." Die Daten lägen in anonymisierter Form vor. Nachfragen bei Ärzten sollen nun konkrete Hinweise liefern, ob die Kranken in der Grube arbeiteten.

Lager seit 1966
Seit 1966 überwachen die Behörden in der Umgebung des lecken Salzbergwerks, in dem große Mengen Atommüll lagern, die Luft, das Grundwasser und den Boden auf Gammastrahlung und radioaktive Stoffe. "Seither ist kein Eintrag in der Umgebung aus der Asse festgestellt worden", berichtete eine Sprecherin des Umweltministeriums. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) unterstrich, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Gefahren von der Asse ausgehen. Das zeigten Messungen über und unter Tage. Das BfS ist seit 2009 für das Atommülllager zuständig.

In einem Vermerk des Sozialministeriums ist von 18 neuen Leukämie-Fällen in der Samtgemeinde die Rede - erwartet wurden in der 10.000- Einwohner-Gemeinde für den Zeitraum von 2002 bis 2009 nur acht. Die Zahl neuer Erkrankungen mit Schilddrüsenkrebs stieg in Asse nach Regierungsabgaben bei Frauen und Männern um mehr als das Dreifache. "Das ist ein Ergebnis, das Anlass zur Sorge gibt."

Strahlenexpertin Bruns-Philipps betonte, die derzeit verfügbaren Datensätze erlaubten noch keine eindeutige Feststellung der Ursachen. "Radioaktivität ist natürlich ein Risikofaktor. Es gibt aber auch andere." Für die kommende Woche sei ein Treffen mit Fachleuten des Bundesamts für Strahlenschutz geplant. "Dann müssen wir überlegen: Wie können wir weitere Informationen gewinnen?", sagte die Ärztin. Es könne Monate dauern, bis alle Krankengeschichten bekannt sind.

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden

Anzeigen

Werbung

Live auf oe24.TV 1 / 7

Top Gelesen 1 / 5

  Diese Website verwendet Cookies. Durch die Verwendung dieser Website stimmen Sie dem damit verbundenen Einsatz von Cookies zu.

Es gibt neue Nachrichten
auf oe24.at
Jetzt Startseite laden
Abbrechen