Kroatien: Kirche lässt bei Sexualerziehung an Schulen nicht locker

Die katholische Kirche in Kroatien lässt in Sachen Sexualunterricht an kroatischen Schulen, die im Rahmen der Gesundheitserziehung unterrichtet werden soll, nicht locker: Nach einer Sitzung der Bischofskonferenz forderten die kroatischen Bischöfe einen Dialog mit der Regierung, berichteten Medien am Donnerstag. Die Kirche müsse sich gegen totalitäre Haltungen wehren, sagte HBK-Vorsitzender Zelimir Puljic in einer Aussendung, in der es hieß, dass die Kirche nicht gegen Gesundheitserziehung sei.

Die Kirche stößt sich aber an einem Modul des Unterrichts, in dem es um Gender, Gleichberechtigung der Geschlechter und Homosexualität, die als etwas Natürliches dagestellt wird, geht. Die Kirche spricht sich gegen die „Gender-Ideologie“ aus, die die Auflösung der biologischen Geschlechter von Mann und Frau vorantreibe. Der Widerstand der Kirche, die eine öffentliche Debatte über die Inhalte und die starke Einbeziehung der Eltern fordert, lässt die Debatte in Kroatien seit zwei Monaten nicht verebben.

Die Regierung und der zuständige Minister haben sich auf Geheiß von Premierminister Zoran Milanovic seit zwei Wochen dazu öffentlich nicht mehr geäußert, im Vorfeld aber erklärt, dass die Kirche Fehlinformationen verbreite. Die Gesundheitserziehung wird bereits im laufenden Semester in Mittel- und Oberstufen unterrichtet. Laut Experten, die das Programm ausgearbeitet hatten, nimmt die Zahl der Teenager-Schwangerschaften, Abtreibungen und Geschlechtskrankheiten alarmierend zu.

Kritik an der Kirche kam vonseiten des kroatischen Ex-Präsidenten Stjepan Mesic. „Diese Polemik ist vollkommen unnötig, aber von der Kirche aus zwei Gründen gewollt: Erstens, die Kirche will wissen, wie weit sie gehen kann in ihrer Absicht, sich als oberster Schiedsrichter in gesellschaftlichen Fragen aufzustellen. Zweitens, will sie die Regierung in die Situation bringen, in der sie sich ständig gegen etwas wehren muss“, sagte Mesic in einem Interview mit der Zeitung „Novi list“. Laut Mesic gehe es der Kirche um Macht, Einfluss und Geld. Mesic warnte, dass sich die Kirche als „idealer Partner der politischen Rechten“ profilieren möchte, was sie mit ihrer Ablehnung des Haager Kriegsverbrechertribunals schon bewiesen habe.

Für Erstaunen sorgte in Kroatien die Aussage des Zagreber Weihbischofs Valentin Pozaic Anfang Jänner, der zu einer neuen „Oluja“ („Sturm“) aufgerufen hatte. „Sturm“ war die kroatische Militäraktion im Jugoslawien-Krieg 1995, in der von serbischen Truppen besetztes Gebiet zurückerobert wurde. Pozaic hatte während einer Veranstaltung die derzeitige Regierung mit dem Regime der Nationalsozialisten und Kommunisten verglichen. Darauf gab es weder offizielle Reaktionen aus der Kirche, noch von der Regierung.

Dem Vatikan scheint die aufgeheizte Stimmung zwischen Kirche und Staat in Kroatien nicht zu gefallen. Wie die Zeitung „Vecernji list“ berichtete, pfiff der Vatikan seine Bischöfe in Kroatien zurück. Der apostolische Nuntius in Kroatien Alessandro D’Errico traf vergangene Woche Außenministerin Vesna Pusic. D’Errico nahm auch an der Sitzung der HBK teil, in der man den Dialog mit der Regierung beschwor.

Die Einmischung der Kirche in die Politik ortete auch die Zeitung „Jutarnji list“: „Die Kirche darf sich in politische Belange nicht einmischen“, lautete ein Kommentar. Als Beispiel führte sie die neueste Debatte an, die keinen moralischen oder theologischen Hintergrund habe. Die Kirchen-Organisation „Iustitia et Pax“ hatte in einer Pressekonferenz Mitte der Woche die Änderung des Gesetzes zu strategischen Investitionen kritisiert. Mit dem Gesetz wollte die Regierung Investitionen beschleunigen, indem sie die Möglichkeit offen lässt, staatliches Eigentum zu verkaufen. „Iustitia et Pax“ befürchtete jedoch, dass damit dem Abverkauf von Wasservorkommen und Wald die Tür geöffnet wurde. Gegen das Gesetz traten auch Nichtregierungsorganisationen und die Grüne Bewegung auf.

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