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Reisewarnung

Libyen verärgert über fehlende Information vor Benghazi-Warnung

Nach der Warnung Deutschlands und anderer Länder vor einer akuten Terrorgefahr in Benghazi hat die libysche Regierung kritisiert, vorab nicht informiert worden zu sein. Kein Land habe den Beschluss im Voraus mitgeteilt, der für erhebliche Verunsicherung in Benghazi sorge, erklärte das Innenministerium am Freitag. Paris teilte mit, rund 40 Franzosen in Benghazi und dem Umland hätten auf Anraten der Regierung die Region verlassen.

Nachdem London und Berlin am Donnerstag vor einer "unmittelbar konkreten" Bedrohung in Benghazi gewarnt hatten, riefen am Freitag auch Australien, Frankreich, Kanada, die Niederlande und die Schweiz ihre Bürger zum sofortigen Verlassen der Stadt im Osten Libyens auf. Die australische Regierung warnte vor einer "konkreten und unmittelbaren" Bedrohung durch Anschläge auf westliche Ziele in Libyen als Vergeltung für die französische Intervention in Mali.

Ein französischer Außenamtssprecher sagte, die Informationen zu der Bedrohung seien hinreichend verlässlich gewesen, "um eine Botschaft an unserer Staatsbürger zu rechtfertigen, die Region von Benghazi zu verlassen". Rund 40 Franzosen hätten den Raum mit eigenen Mitteln verlassen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte, die Bundesregierung gehe davon aus, dass nur wenige Deutsche im Raum Benghazi seien, auch nicht in offizieller Mission.

"Wir haben von keinem Land eine offizielle Mitteilung erhalten" zum Aufruf zum Verlassen von Benghazi, sagte ein Sprecher des libyschen Innenministerium nach Angaben der Nachrichtenagentur Lana. "Wenn Großbritannien um seine Bürger fürchtete, hätte es sie abziehen können, ohne diese ganze Aufregung", sagte Vize-Innenminister Abdallah Massud. Er hatte am Vortag gesagt, "nichts" rechtfertige den "sehr scharfen Ton" der Mitteilung aus London.

Das österreichische Außenministerium hatte bereits vor dem aktuellen Hinweis eine Reisewarnung ausgesprochen. "Es kommt in allen Landesteilen, auch im ruhigeren Großraum Tripolis, häufig zu bewaffneten Auseinandersetzungen, Schusswechseln und auch Explosionen von Granaten", heißt es darin. Terroranschläge und geplante Entführungen könnten nicht ausgeschlossen werden.

Am 11. September 2012 waren US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere US-Bürger bei einem Angriff auf das Konsulat der Vereinigten Staaten in Benghazi getötet worden. Die USA machten Islamisten für die Tat verantwortlich, die genauen Umstände sind aber weiter unklar. Mitte Januar gab es in Benghazi zudem Schüsse auf den italienischen Konsul. Er blieb bei dem Angriff auf seinen Dienstwagen aber unverletzt.

Am 16. Jänner stürmte ein islamistisches Kommando eine Gasförderanlage im benachbarten Algerien und nahm dutzende ausländische Geiseln, um einen Stopp der französischen Militärintervention in Mali zu erzwingen. Die algerischen Sicherheitskräfte konnten die Geiselnahme erst nach vier Tagen beenden. Am Freitag teilte die norwegische Ölfirma Statoil mit, zwei ihrer fünf vermissten Mitarbeiter seien tot. Drei Mitarbeiter würden noch vermisst. Damit stieg die Zahl getöteter ausländischer Geiseln auf 39.

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