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Mann droht lange Haft wegen Pokémon Go

In russischer Kirche gespielt

Mann droht lange Haft wegen Pokémon Go

Die russische Justiz geht hart gegen einen Blogger vor, der in sich einer Kirche beim Spielen von Pokemon-Go gefilmt und die Aufnahmen ins Internet gestellt hatte. Ruslan Sokolowski drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. Sein Video wurde auf Youtube bereits mehr als eine Million Mal angeklickt.

Während die russisch-orthodoxe Kirche scharf gegen den 21-Jährigen wettert und Kreml-nahe Medien von einem "Skandal" schreiben, forderte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Freilassung des Mannes. Die Justiz wirft Sokolowski aus Jekaterinburg im Ural vor, die Gefühle der Gläubigen verletzt und zu Hass angestachelt zu haben.

"Spionagestift" gefunden

Wie die Ermittlungsbehörden am Dienstag mitteilten, wurde bei einer Hausdurchsuchung ein "Spionagestift" gefunden, mit dem der Verdächtige verdeckt Aufnahmen habe machen können. Dafür könnte Sokolowski für weitere vier Jahre ins Gefängnis gehen. Er sitzt seit zwei Monaten in Untersuchungshaft und wehrt sich dagegen.

Das am 11. August gepostete Video zeigt Sokolowski vor dem Altar der Kathedrale auf dem Blut bei der Jagd nach virtuellen Pokemon-Monstern. Angeblich vergleicht er zudem Jesus mit den Monstern. Die Kirche wurde in Jekaterinburg auf historischem Grund errichtet: Dort wurde 1918 die Zarenfamilie von Bolschewisten ermordet.

Vergleich mit Pussy Riot

Kremltreue Medien wie "Life News" zogen bereits Vergleiche mit dem Pussy-Riot-Fall. Die Punk-Gruppe Pussy Riot hatte im Februar 2012 ein sogenanntes Punkgebet in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale aufgeführt, das sich gegen Staatschef Wladimir Putin richtete. Die Frauen wurden daraufhin wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Ende 2013 kamen sie vorzeitig frei.

Sokolowski, der sich offen als Atheist bezeichnet, veröffentlicht seine Ansichten in Videos und einem Magazin mit dem Namen "Nichts ist heilig". Der Sprecher der russische-orthodoxen Kirche, Wladimir Legoida, schrieb im sozialen Netzwerk Facebook, bei Sokolowski handle es sich keineswegs um eine Mitläufer, sondern um einen Gesinnungstäter, der im Stile der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" arbeite und provoziere. Amnesty nannte das Verfahren dagegen eine Farce.

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