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Türkei

Mehrere Tote bei Anschlag in Ankara

Bei einem erneuten Autobomben-Anschlag im Zentrum der türkischen Hauptstadt Ankara sind mindestens 34 Menschen getötet worden. Weitere 125 Menschen seien bei dem Attentat nahe des belebten Kizilay-Platz verletzt worden, teilte Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu am Sonntagabend mit.

Nach Angaben der Behörden hatten ein oder zwei Selbstmordattentäter an einer Bushaltestelle ihr mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug gezündet. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Innenminister Efkan Ala sagte, es gebe erste Erkenntnisse zu den Hintermännern, die aber erst nach Abschluss der Ermittlungen mitgeteilt würden.

Gegen 18.45 Uhr Ortszeit (17.45 MEZ) wurde der Kizilay-Platz von einer starken Explosion erschüttert. Mehrere Fahrzeuge, darunter auch Busse, gerieten in Brand oder wurden beschädigt. Auch benachbarte Geschäfte wurden beschädigt. Es brach Panik aus. Krankenwagen brachten die Verletzten in zehn verschiedene Krankenhäuser. Vier erlagen später ihren Verletzungen, wie Gesundheitsminister Müezzinoglu nach einem Sicherheitstreffen mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu mitteilte. Bei 19 weiteren Verletzten war der Zustand demnach ernst.

Belebtes Gebiet
Der Kizilay-Platz wurde von zahlreichen Polizisten abgeriegelt. Hubschrauber flogen über dem Anschlagsort, wie ein AFP-Fotograf berichtete. An dem Platz gibt es zahlreiche Geschäfte sowie eine U-Bahn-Station. In dem Gebiet liegen zudem das Parlament, der Sitz des Ministerpräsidenten sowie das Botschaftsviertel der türkischen Hauptstadt.

Ala sagte, der Anschlag habe auf Zivilisten abgezielt. Die US-Botschaft hatte erst am Freitag vor einem drohenden Anschlag in einem Viertel in der Nähe des Anschlagsorts gewarnt und dazu aufgerufen, die Gegend zu meiden.

Nachrichtensperre

Die türkische Regierung verhängte am Sonntagabend eine Nachrichtensperre über den Anschlag, die aber nicht offizielle Verlautbarungen betrifft. Türkische Medien berichteten, ein Gericht in Ankara habe eine Sperre für soziale Medien verfügt, nachdem dort Fotos zu dem Anschlag geteilt worden seien. Twitter und Facebook waren am Abend aber weiter zugänglich.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan teilte mit, die Terroranschläge der jüngsten Zeit zielten auf die "Integrität unseres Landes" ab. Er kündigte an, den Kampf gegen den Terrorismus fortzuführen. Auch die pro-kurdische Partei HDP verurteilte die Tat. Erdogan wirft der HDP Verbindungen zur PKK vor.

Internationale Politik reagiert geschockt

In ersten Reaktionen verurteilte der französische Staatspräsident Francois Hollande die "abscheuliche" Tat. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte den Anschlag auf das Schärfste. Putin trauere mit dem türkischen Volk, teilte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Abend mit. Europarats-Generalsekretär Thorbjörn Jagland äußerte sich bestürzt. "Diese rücksichtslosen terroristischen Angriffe sind ein Angriff auf unsere europäische Werte - auf uns alle", heißt es in einer am späten Abend verbreiteten Erklärung. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von einem "schrecklichen" Bombenanschlag. "Volle Solidarität mit der Türkei", betonte Kurz via Kurznachrichtendienst Twitter.

Erst vor knapp einem Monat waren in Ankara in der Nähe des Kizilay-Platzes bei einem Autobomben-Anschlag einer Splittergruppe der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK 29 Menschen ums Leben gekommen. Zu dem Anschlag hatte sich damals die militante Kurdenorganisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) bekannt. Sie kündigte weitere Anschläge an, insbesondere auf bei Touristen beliebte Orten in der Türkei.

Konflikt eskaliert

Nach zwei Jahren relativer Ruhe war der Kurdenkonflikt in der Türkei im vergangenen Sommer wieder eskaliert. Die türkische Armee geht seit Dezember im Südosten des Landes mit aller Härte gegen mutmaßliche PKK-Rebellen vor. Am Sonntag verhängte sie über zwei weitere Orte im vorwiegend kurdischen Südosten des Landes eine nächtliche Ausgangssperre.

Ebenfalls seit dem Sommer gilt in der Türkei wegen einer Reihe tödlicher Anschläge die höchste Alarmstufe. Vier der Anschläge schrieben die Behörden der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu. Der schwerste Anschlag ereignete sich am 10. Oktober im Zentrum von Ankara, als zwei Selbstmordattentäter bei einer prokurdischen Demonstration 103 Menschen in den Tod rissen. Am 12. Jänner wurden bei einem Selbstmordanschlag in einem Touristenviertel von Istanbul zwölf deutsche Touristen getötet.


 

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