Missbrauchsopfer baten vergeblich um Hilfe

USA

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Missbrauchsopfer baten vergeblich um Hilfe

Neue Enthüllungen über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche: Wie die "New York Times" berichtet, haben gehörlose Buben, die in den vergangenen Jahrzehnten von einem katholischen Priester in den USA missbraucht wurden, vergeblich bei kirchlichen und staatliche Behörden um Hilfe gebeten. Die Gehörlosen seien bei anderen Priestern, bei drei Bischöfen sowie bei Polizei und Staatsanwaltschaft vorstellig geworden, schrieb das Blatt am Samstag unter Berufung auf Dokumente und Aussagen der Missbrauchten. Dagegen verkündete der Vatikan, die katholische Kirche sei bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle auf gutem Wege.

Bis zu 200 Opfer
In dem Fall in den USA geht es um bis zu 200 Missbrauchsopfer einer Gehörlosenschule in Wisconsin. Im Mittelpunkt steht den Angaben zufolge der inzwischen verstorbene Priester Lawrence Murphy, der von 1950 bis 1974 an der Schule gearbeitet hatte. 1996 habe der Erzbischof von Milwaukee, Rembert G. Weakland, den damaligen Chef der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger in zwei Briefen informiert. Ratzinger - heute Papst Benedikt XVI. - habe aber nicht geantwortet.

"Dieser Mann (Murphy) hätte für lange Zeit im Gefängnis sein sollen", klagte ein heute 59-jähriges Opfer. "Pater Murphy dachte dauernd an Sex mit Kindern, und er ist damit durchgekommen."

Zugleich wurde bekannt, dass es nicht mehr auszuschließen ist, dass demnächst auch Vertreter des Vatikans vor US-Gerichte geladen werden könnten. Bei Bundesgerichten in zwei US-Staaten liegen nach Angaben der "Washington Post" derzeit Missbrauchsklagen gegen den Kirchenstaat vor. Zunächst müsse aber der Supreme Court über diese Klagen entscheiden. Auch die Regierung habe ein Wort mitzureden, ob der Vatikan auch in diesem Fall als ausländischer Staat Immunität genießt.

Hirtenbrief soll Aufklärungswillen zeigen
Nach den Worten von Vatikansprecher Federico Lombardi zeigt der jüngste Hirtenbrief an die Katholiken in Irland den Aufklärungswillen des Papstes. Damit gebe Benedikt XVI. den Weg für "Heilung, Erneuerung und Wiedergutmachung" vor. Es sei nun an der Kirche, Buße zu tun und bei den Opfern Abbitte zu leisten. Nur so könne Gerechtigkeit entstehen und innere Reinigung stattfinden, sagte Lombardi in einem Kommentar für Radio Vatikan anlässlich des Beginns der Karwoche.

Lombardi lobte die Aufklärungsbemühungen in den einzelnen Ländern. Die erneuerten Richtlinien, unter anderem in Deutschland und Österreich, seien positive Zeichen. Auch die Kirche in den USA habe eine gute Richtung eingeschlagen. Insgesamt sei die Zahl von Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche im vergangenen Jahr um mehr als 30 Prozent zurückgegangen, erklärte Lombardi. Die meisten der neu gemeldeten Fälle würden Geschehnisse vor über 30 Jahren betreffen.

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