Mixa greift deutschen Klerus frontal an

Marx kontert

Mixa greift deutschen Klerus frontal an

Zwei Monate nach seinem Rücktritt wählte der frühere deutsche Bischof Walter Mixa für sein Empfinden beim Unterzeichnen seines Rücktrittsgesuchs ein Bild, das die Gläubigen in der katholischen Kirche offenbar erschrecken soll. "Der Druck, unter dem ich die vorgefertigte Resignation unterschrieben habe, war wie ein Fegefeuer", sagte der 69-Jährige der Zeitung "Die Welt". Doch mit seinem Angriff auf die führenden Köpfe des deutschen Klerus zeigte Mixa nicht nur, dass die vom Fegefeuer versprochene Läuterung bei ihm offenbar nicht eingetreten ist. Er manövrierte sich damit weiter ins Abseits und wird nun unverhohlen als krank dargestellt.

Vorwurf: Aus dem Amt gedrängt
Mixa griff im Interview alle an, die unter den deutschen Bischöfen und in seinem früheren Bistum maßgeblich etwas zu sagen haben. Sein Vorwurf: Mit Hilfe eines inzwischen als falsch erwiesenen Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs sei er in einer Intrige gegen seinen Willen aus dem Amt herausgedrängt worden.

So habe der Augsburger Weihbischof Alfons Lohsinger den Missbrauchsvorwurf in der Presse lanciert. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sowie Münchens Erzbischof Reinhard Marx seien ihm nicht zur Seite gestanden. "Stattdessen sind sie zum Papst geeilt und haben ihm als Trumpf den sogenannten Missbrauchsfall vorgetragen, der de facto auf nicht mehr beruhte als auf sechs handschriftlichen Sätzen einer höchst dubiosen hingekritzelten Notiz". Er prüfe nun, gegen seinen erzwungenen Rücktritt im Vatikan vor Gericht zu gehen.

Bewegt sich auf dünnem Eis
Doch Mixa scheint sich mit seinem Rundumschlag auf dünnem Eis zu bewegen. Bekannt wurde der falsche Missbrauchsverdacht nämlich erst, als er schon längst zurückgetreten war. Der Grund für den Rücktritt waren vielmehr Berichte über sadistische Prügelattacken gegen Waisenkinder und finanzielle Unregelmäßigkeiten durch den Geistlichen - für beides gibt es glaubwürdige Belege. Außerdem warf Mixa Zollitsch und Marx vor, statt ihn zum Rücktritt zu zwingen, hätten sie ihm auch eine Auszeit nahelegen können - genau dies hatten beide aber öffentlich getan, ohne dass Mixa darauf reagiert hätte.

So steht Mixa inzwischen innerhalb des Bischofskollegiums vollkommen alleine da. Weihbischof Josef Grünwald, der derzeit das Bistum Augsburg leitet, wies alle Vorwürfe Mixas gegen die Verantwortlichen des Bistums als falsch zurück. Auch Erzbischof Zollitsch und Erzbischof Marx wiesen die Vorwürfe zurück.

Hinweis auf psychische Krankheit
Marx ließ durch seinen Sprecher Bernhard Kellner erklären, es sei alles rechtmäßig gelaufen. Kellner fügte dem Dementi der Vorwürfe noch eine deutliche Spitze hinzu: "Nicht zuletzt zum Schutz von Bischof emeritus Mixa sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten. Wir wünschen Bischof emeritus Mixa weiter gute Genesung, sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein wichtiger erster Schritt dazu." Dieser ungewöhnlichen Stellungnahme, die Mixa als psychisch krank darstellt, schloss sich der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz an. "Wir haben dem nichts hinzuzufügen."

Ist also womöglich eine psychische Erkrankung die Ursache der uneinsichtigen Reaktion Mixas? In Kirchenkreisen heißt es zudem, dass Mixa sich von seinen Beratern instrumentalisieren lasse. Hintergrund ist die offene Nachfolgefrage: Der erzkonservative Mixa hatte in Augsburg an vielen Schlüsselstellen seine Leute untergebracht. Diese wünschen sich nun Prälat Wilhelm Imkamp, den Wallfahrtsdirektor des Pilgerortes Maria Vesperbild, als neuen Augsburger Bischof.

Späte Läuterung?
Womöglich kann Mixa Papst Benedikt XVI. im Juli persönlich Prälat Imkamp empfehlen und damit seine Nachfolge in seinem Sinne regeln. Mixa sagt, dass ihn der Papst für Juli zu einem Gespräch eingeladen habe. Der Vatikan wollte einen solchen Termin am Mittwoch auf AFP-Anfrage aber nicht bestätigen. Vielleicht wartet Rom ja ab, ob Mixa doch noch Läuterung zeigt oder ob er sich weiterhin darin versucht, die führenden deutschen Bischöfe als Drahtzieher einer Intrige darzustellen.

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