Mladic vor UN-Tribunal erschienen

Den Haag

Mladic vor UN-Tribunal erschienen

"Ich bin General Ratko Mladic." Der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben hat am heutigen Freitag bei seinem ersten Auftritt vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien dies mehrmals wiederholt. Zur Anklage, die ihm Genozid in Srebrenica und weiteren acht bosnischen Gemeinden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstöße gegen Kriegsgepflogenheiten anlastet, wollte sich Mladic nicht äußern.

Er habe nach der Ankunft im Tribunalsgefängnis drei Faszikel erhalten, habe sie aber nicht gelesen. "Ich bin ein schwer kranker Mann", versicherte der Angeklagte. Auch würde er mehr als einen Monat brauchen, um sich mit den "abscheulichen Worten", die in der Anklage über ihn stünden, vertraut zu machen. Mladic selbst wollte in der ersten Verhandlung vor dem UNO-Tribunal die Anklage gar nicht hören, "keinen Buchstaben, keinen Satz".

Im Gerichtssaal erschien der pensionierte General in einem grauen Anzug mit Kopfmütze. Er nahm sie ab, nachdem er salutiert hatte. Er wurde von Gefängniswächtern gestützt. Seine zunächst zitternde Stimme wurde im Lauf der Verhandlung immer sicherer.

Diashow Hier erscheint Mladic vor Gericht

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Gesundheitsprobleme
Dass Mladic schwere Gesundheitsprobleme haben soll, die seine Beteiligung am Gerichtsprozess unmöglich machen, wie dies in den letzten Tagen in Belgrad seine Familienangehörigen und sein Anwalt und Freund Milos Saljic behaupteten, war nicht zu erkennen. Die Berichte, dass Mladic an Krebs erkrankt sei, wurden unterdessen auch vom UNO-Tribunal bestritten.

Vor dem Abschluss der Verhandlung, die am 4. Juli fortgesetzt wird, wenn sich Mladic zur Anklage äußern soll, kam wieder einmal sein bekannter Charakterzug zum Ausdruck. Mladic beschwerte sich über das Wachpersonal, das ihn beim Gehen stützte. Dies würde ihn nerven. "Ich bin General Ratko Mladic. In der ganzen Welt weiß man, wer ich bin", protestierte der Angeklagte.

TV-Übertragung
Etwa 20 Familienangehörige der Srebrenica-Opfer verfolgten am Freitag in der Gedenkstätte Potocari die TV-Übertragung der Verhandlung in Den Haag. Nach der Einnahme der UNO-Schutzzone am 11. Juni wurden von bosnisch-serbischen Truppen rund 8.000 muslimische Männer aussortiert und anschließend getötet. Von vielen fehlt weiterhin jede Spur, Leichen anderer wurden in den letzten Jahren in zahlreichen Massengräbern in der breiteren Umgebung von Srebrenica entdeckt.

"Ich töte weder die Muslime noch die Kroaten", versicherte Mladic am Freitag. Er habe nur sein Volk und sein Land verteidigt, so der Angeklagte.

Kroatien will Ausweitung der Anklage

Die kroatische Regierung besteht darauf, dass die Anklage gegen Mladic auf die mutmaßlich von ihm begangenen Kriegsverbrechen in Kroatien ausgeweitet wird, berichtete die Agentur Hina am Freitag. Ministerpräsidentin Jadranka Kosor will per Parlamentsbeschluss kommende Woche "die Staatsanwaltschaft als unabhängige Institution auffordern", noch einmal die gesamte Dokumentation an die Anklage nach Den Haag zu schicken.

Ratko Mladic wurde in Kroatien in Abwesenheit bereits wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Während des Krieges in Kroatien war er Feldwebel des 9. Korps der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) in Knin. Das Landesgericht Sibenik verurteilte ihn zu 20 Jahren Haft für Kriegsverbrechen in Kijevo 1991. Er wurde auch beschuldigt, Angriffe auf zivile Opfer im Küstenbereich, in Zadar und Sibenik verübt zu haben, von Bosnien aus die Stadt Pozega unter Beschuss genommen zu haben sowie den Befehl gegeben zu haben, das Wasserkraftwerk und die Staumauer in Peruca zu zerstören. Chefankläger Serge Brammertz hatte vor wenigen Tagen gesagt, die Anklage nicht auf die Verbrechen in Kroatien ausweiten zu wollen.

Belgrad schickt eigene Ärzte
Die serbische Regierung will ein Ärzteteam nach Den Haag schicken, um den Gesundheitszustand der vor dem dortigen UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien angeklagten Häftlinge zu untersuchen. Dabei werde "mit Sicherheit" auch der im UNO-Gefängnis in Scheveningen inhaftierte frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic medizinisch untersucht, sagte Gesundheitsminister Zoran Stankovic am Freitag der Nachrichtenagentur Beta.

Die geplante Entsendung von Ärzten gehe auf eine Bitte einiger der inhaftierten Angeklagten zurück. Es solle jeder Angeklagte untersucht werden, der dies wünsche, sagte Stankovic, der ein Freund Mladics ist.


 

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