Mordaufträge aus Gefängnis erteilt?

Djindjic-Attentäter

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Mordaufträge aus Gefängnis erteilt?

Der Hauptdrahtzieher des Attentats auf den serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic, Milorad Ulemek ("Legija"), soll auch nach seiner Festnahme im Mai 2004 Mordaufträge an Angehörige der Zemun-Mafia erteilt haben. Ermittlungen sollen laut der serbischen Tageszeitung "Blic" nun zeigen, wie der frühere Befehlshaber der Polizei-Sondereinheit "Rote Barette" seine Befehle weiterkommunizierte.

Mordbefehle an die Außenwelt
Auch wenn sich "Legija" seit seiner Festnahme in Einzelhaft befindet und keinen Kontakt zu anderen Gefängnisinsassen hat, glauben auch Polizeiquellen, dass dem in mehreren Verfahren zu jeweils 40 Jahren Haft verurteilten Ulemek verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung standen, um Mordbefehle an die Außenwelt weiterzugeben. So traf er sich regelmäßig mit Familienangehörigen und Anwälten. Entsprechend dem Gesetz werden die Gespräche von Haftinsassen mit Anwälten nicht überwacht.

Die Erkenntnisse über die Mordaufträge "Legijas" stammen von einem Anfang des Monats bei einer Abrechnung unter Mafiosi in der kroatischen Hauptstadt Zagreb verwundeten Angehörigen der Belgrader Zemun-Mafia. Sretko Kalinic soll laut Medienberichten der kroatischen Polizei gesagt haben, "Legija" habe die Ermordung eines geschützten Zeugen im Prozess gegen die Djindjic-Mörder im Juni 2006 angeordnet. Von ihm soll auch der Befehl gekommen sein, einen serbischen Polizeifunktionär zu ermorden. Dieser hatte nach der Ermordung des Premiers im März 2003 die Polizeiaktion zur Festnahme von zwei Bossen der Zemun-Mafia geleitet. Beide Unterweltsbosse starben dabei.

Mordauftrag über Skype?
Das Belgrader Boulevardblatt "Vecernje novosti" will unterdessen wissen, dass einer der Djindjic-Attentäter, Aleksandar Simovic, aus dem Gefängnis täglich mit seinem erst kürzlich festgenommenen Bruder Milos über Skype kommunizierte. Beweise dafür entdeckte die Polizei offenbar auf dem Laptop von Milos Simovic, der früher die Nummer drei der Zemun-Mafia war. Wie sein Bruder, der sich im Gefängnis im ostserbischen Pozarevac befindet, allabendlich Zugang zum Internet erhalten hat, wird laut der Zeitung noch untersucht. Es war Milos Simovic, mit dem Kalinic in Zagreb abgerechnet hatte.

Für das Attentat auf Djindjic sind zwölf Personen, Angehörige der "Roten Barette" und des Zemun-Clans, verurteilt worden. Drei sind weiterhin flüchtig. Die politischen Hintergründe wurden nie aufgedeckt.

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