Muslimbrüder: Kein Kandidat bei Wahl

Ägypten im Umsturz

Muslimbrüder: Kein Kandidat bei Wahl

Die Muslimbruderschaft gilt - neben der Nationaldemokratischen Partei des Regimes von Präsident Hosni Mubarak - als die am besten organisierte politische Organisation in Ägypten. Darum ist es in der aktuellen Umbruchphase auch kaum möglich, einen tragfähigen Kompromiss ohne sie zu finden. Dass viele liberale Ägypter wie auch westliche Regierungen ihr misstrauen, ändert daran nichts. Da die Bewegung weiß, dass sie dem Westen genauso suspekt ist wie den ägyptischen Christen und den Nachkommen der alten Bourgeoisie, gibt sie sich in diesen Tagen moderater als gewohnt.

"Kein Kandidat bei Präsidenschaftswahl"
Am Samstag betonten die Muslimbrüder in einer Erklärung, "dass wir für die nächste Präsidentschaftswahl keinen Kandidaten aufstellen werden". Zudem bekundeten sie ihre Bereitschaft "zu einem ernsthaften Dialog". Bisher sieht es nach Einschätzung unabhängiger Beobachter so aus, als hätten sich die Muslimbrüder mit dem ehemaligen IAEO-Chef Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei, verbündet. Er wird von Washington akzeptiert und gilt als unverbraucht. ElBaradei hat viele Jahre im Ausland verbracht und sich mit keinem der untereinander teils sehr zerstrittenen ägyptischen Oppositionellen angelegt.

"Rat der Weisen" ist Muslimbrüdern suspekt
Die Kompromissvorschläge des mit unabhängigen Persönlichkeiten besetzten "Rates der Weisen" ist den Muslimbrüdern dagegen suspekt. Das Gleiche gilt für die Vermittlungsbemühungen des Generalsekretärs der Arabischen Liga, Amr Mussa. Dieser hat sein Interesse an einer Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl im September angemeldet. Mussa hat eine große Anhängerschaft - und wäre damit unabhängiger als ElBaradei, der stärker auf die Unterstützung der kleineren Parteien und der Bruderschaft angewiesen ist.

Hoffnungsträger Omar Suleiman
Vizepräsident General Omar Suleiman kommt als Hoffnungsträger für die Zeit nach Mubarak aus Sicht der Opposition auf keinen Fall infrage. Als ehemaliger Geheimdienstchef war er Teil des Systems Mubarak. Jetzt kommt ihm die undankbare Aufgabe zu, eben dieses System möglichst schmerzfrei zu entsorgen. Eine immense Aufgabe, denn in Ägypten ist mit dem Widerstand einflussreicher Kreise zu rechnen: Von den Spitzeln und Folter-Polizisten bis zu den reichen Geschäftsleuten und Parteifunktionären.

Friedlicher Protest der Jugend weit beachtet
Die ägyptische Jugendbewegung hat für ihre friedliche Form des Protests international viel Anerkennung erhalten. Sie ist sich der Risiken, die der Tanz mit der Macht birgt, inzwischen bewusst geworden. Vor allem viele koptische Christen warnen jetzt davor, dass die Muslimbrüder die Situation für ihre eigenen Zwecke ausnutzen könnten. Voller Sorge hieß es diese Woche in einem koptischen Internet-Forum: "Die US-Regierung spricht jetzt auch mit den Muslimbrüdern - Wir Christen in der Heimat und im Ausland müssen zusammenhalten, damit Ägypten nicht zerstört wird."

Wie sie mit den Forderungen der Muslimbrüder umgehen sollen, darüber sind sich die jungen Organisatoren der Massenproteste noch nicht einig. Einige von ihnen schlugen die Gründung einer neuen "Partei der Jugend" vor. Sie sprachen mit ElBaradei und bejubelten Amr Mussa, als er sie am Freitag auf dem Tahrir-Platz besuchte. Wer sich in Kairo letztlich durchsetzen wird, ist offen. Nur von den Politikern der etablierten Oppositionsparteien dürfte wohl niemand genügend Rückhalt in der Bevölkerung haben, um für das höchste Staatsamt zu kandidieren.

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