NATO will Afghanistan-Einsatz beenden

2014

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NATO will Afghanistan-Einsatz beenden

Neun Jahre nach Beginn des internationalen Afghanistan-Einsatzes gibt es erstmals ein Ausstiegsszenario: Die NATO will ihren Kampfeinsatz bis 2014 beenden und danach nur noch zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Truppen im Land bleiben. Diesen Fahrplan beschlossen die Staats- und Regierungschefs des Bündnisses am Samstag in Lissabon. Die Übergabe der ersten Provinzen in afghanische Hände soll bereits im ersten Halbjahr 2011 erfolgen.

"Herr im eigenen Haus"
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte, man wolle die Afghanen wieder zum "Herrn im eigenen Haus" machen. Die NATO-Beschlüsse bedeuteten "eine wirklich neue Entwicklung in der moderneren Geschichte des Landes."

Der afghanische Präsident Hamid Karzai zeigte sich sicher, dass die Übergabe der Sicherheitsverantwortung erfolgreich sein werde. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte ihm die langfristige Unterstützung Deutschlands zu: "Wir fühlen uns der Zukunft Afghanistans verpflichtet."

Das weitere Vorgehen in Afghanistan wurde in zwei Gipfeldokumenten zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung und zur Partnerschaft nach 2014 festgeschrieben. Die Bündnispartner legten sich auf einen "unumkehrbaren Übergang zur vollen afghanischen Sicherheitsverantwortung" fest.

Schrittweise Rückzug
Im ersten Halbjahr 2011 sollen erste Regionen an die einheimische Armee und Polizei übergeben werden. Die USA wollen den Abzug ihrer derzeit 90.000 Soldaten schon im Juli 2011 einleiten. Insgesamt gehören der ISAF 130.000 Soldaten an.

Wann der internationale Einsatz endgültig beendet wird, wagt noch niemand zu sagen. Viele Experten bezweifeln, dass die Afghanen schon 2014 selbst in der Lage sein werden, für die Sicherheit in ihrem Land zu sorgen. Im nächsten Jahr sollen mehr als 300.000 einheimische Soldaten und Polizisten zur Verfügung stehen. Die NATO hatte in diesem Jahr ihre Ausbildungsbemühungen verstärkt.

Im November 2011 soll in Bonn auf einer internationalen Afghanistan-Konferenz eine erste Bilanz des Übergabeprozesses gezogen werden. Dort war zehn Jahre zuvor die Entsendung einer internationalen Truppe beschlossen worden.

Kritik

Das NATO-Treffen mit Karzai litt darunter, dass der afghanische Präsident kurz vor dem Gipfel die US-Truppen erneut kritisiert und eine Beschränkung der Militäroperationen gefordert hatte. US-Präsident Barack Obama, der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Kanzlerin Merkel ermahnten den Afghanen in Lissabon zu besserer Kooperation.

 Karzai müsse verstehen, dass die amerikanischen Soldaten kein leichtes Ziel für die Taliban sein wollten. "Sie müssen sich selbst schützen", sagte Obama. Die Partnerschaft zwischen den USA und Afghanistan sei "eine Straße in beide Richtungen".

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