Naomi: Naomi:

Prozess in Den Haag

© cnn Screenshot

 

Naomi: "Habe Diamanten bekommen"

Bei der mit Hochspannung erwarteten Zeugenaussage von Naomi Campbell (40) vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag gestand das farbige Supermodel, dass sie 1997 Diamanten erhielt. Ob die von dem wegen Massenmord angeklagten Ex-Diktator Liberias, Charles Taylor (62), stammten, ließ sie unbeantwortet.

Das exzentrische Model – im Zeugenstand konservativ im cremefarbenen Kostüm mit Hochsteckfrisur – bedeutet eine sensationelle Wende im „Blutdiamanten“-Skandal. Bisher hatte Campbell das teure Geschenk immer abgestritten – aus Angst um ihr Leben und das ihrer Familie. „Ich habe im Internet nachgeschaut und gesehen, dass Mr. Taylor Tausende Menschen getötet haben soll“, gestand sie treuherzig.

Das Video: Naomi vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal:

Ihre Aussage ist wichtig für den Prozess gegen Taylor, den „Schlächter von Liberia“ (angeklagt des Massenmordes im Sierra-Leone-Krieg mit 120.000 Toten). Campbells Edelsteine stammen aus Taylors Sortiment, mit denen der Warlord Kriege finanzierte.

Was geschah also am 26. September 1997? Campbell sagte unter Eid aus: Sie nahm an einem Galadinner in der Residenz von Südafrikas Präsidenten Nelson Mandela mit einem Kinderhilfswerk-Chef und der Schauspielerin Mia Farrow teil. Zum Tisch gesellte sich Taylor. Sie bestritt, dass sie mit dem Diktator „flirtete“, wie es hieß.

In diesem Van fuhr Naomi vor, (c) Reuters

Die Diamanten funkelten Campbell zu wenig ...
Spät abends hätten zwei Farbige an die Türe ihrer Hotel-Suite geklopft und ihr ein kleines Päckchen mit sechs „schmutzig aussehenden Steinen“ übergeben. Von wem? Sie wollte nicht nachfragen, sagte Campbell: Sie sei „zu müde gewesen“. Beim Frühstück meinten Farrow und deren PR-Agentin Carol White, dass die Diamanten von Taylor sein müssten. Campbell wäre aufgeregt gewesen – laut White aber auch enttäuscht, weil die Rohdiamanten zu wenig funkelten.

Campbell erzählte, dass sie das Päckchen dem Chef des Nelson Mandela Children Fund, Jeremy Ratcliffe, gegeben hätte. Im Zeugenstand erinnert sie sich: „Ich wollte, dass bedürftige Kinder was davon haben.“ Ratcliffe hätte ihr später gestanden, dass er keine Zeit gehabt hätte, sie zu verkaufen – und immer noch besitze.

(c) cnn Screenshot

Campbell hatte den Erhalt der Klunker zuerst bestritten, wehrte sich gegen die Vorladung nach Den Haag. Der Fall ist ihr peinlich: Sie stürmte jüngst nach einer Frage über die Blutdiamanten aus einem ABC-Interview, stieß beim Abgang eine Kamera um.

CAMPBELL über das Dinner
Ich habe dort Taylor zum ersten Mal getroffen. Es stimmt nicht, dass ich mit ihm flirtete, und auch nicht, dass er mir versprach, mir Diamanten zu schenken.

CAMPBELL über den nächtlichen Besuch
Zwei Männer klopften an die Türe zu meinem Hotelzimmer. Sie sagten; „Wir haben ein Geschenk für Sie.“ Ich nahm das Päckchen an. Ich habe nicht nachgefragt, von wem die Steine sind, da es spät war und ich zu müde war.

CAMPBELL über die Weitergabe der Steine
Ich habe Jeremy Ratcliffe (dem Chef des Kinderhilfswerkes – Red.) gesagt, er solle die Diamanten an sich nehmen, sie verkaufen, danach trachten, dass die Kinder auch davon etwas haben.
CAMPBELL über Taylor und Blutdiamten
Ich habe über Charles Taylor vor dem Treffen in der Mandela-Residenz noch nie etwas gehört und ich wusste auch nicht über das Land Liberia Bescheid. Völlig unbekannt war mir damals auch der Begriff Blutdiamanten.

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