Sonderthema:
ÖSTERREICH-Reporter in Kairo
 verhaftet

Pulverfass Ägypten

© TZ ÖSTERREICH/Karl Wendl

ÖSTERREICH-Reporter in Kairo
 verhaftet

Seiten: 12

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Tahrir-Platz, Freitagmittag. Zehntausende harren hier seit elf Tagen aus. Sie beten, singen die Nationalhymne, skandieren: "Mubarak muss weg!"

Für Ausländer wird die Situation immer gefährlicher. Längst machen die vom Staatsfernsehen zusätzlich aufgepeitschten Mubarak-Schergen auch außerhalb des Tahrir-Platzes Jagd auf Regimegegner, Ausländer und Journalisten: ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl wird von dem wütenden Mob aus dem Auto gezerrt und verhaftet. Vor dem Hotel skandieren sie: "Wir schneiden euch die Gurgel auf!"

Diashow Massenproteste in Kairo
Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massenproteste am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

Massendemonstration am Tahrir-Platz

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  Diashow

"Sie sehen in den Medien Feinde", argumentiert Mihad Altmann (53). Bis gestern fuhr er mit seiner Tochter (17) und seinem Sohn (21) täglich zu den Demonstranten. Jetzt sagt er: "Wer nun hin will, muss um sein Leben fürchten. Die Mubarak-Anhänger sind bewaffnet."

An den acht Zufahrtsstraßen des Tahrir-Platzes (doppelt so groß wie der Heldenplatz) stehen Barrikaden. Errichtet aus Wellblech, Mauerteilen, Eisenstangen. Kartons mit Wasserflaschen werden an die Barrikaden geschleppt, Lebensmittel, Medikamente für die Demonstranten. Selbst zwei Erste-Hilfe-Stellen gibt es bereits. Unter freiem Himmel werden Platzwunden genäht, Schnittwunden versorgt – Spuren der heftigen Kämpfe zwischen Mubarak-Anhängern und Mubarak-Gegnern in den vergangenen zwei Tagen.

Am Dienstag war eine Million Menschen auf dem Platz der Befreiung. Am Freitag sind es deutlich weniger. Nach den wilden Straßenschlachten ziehen massive Armee-Einheiten rund um den Platz auf.

Mubarak-Gegner 
haben Angst bekommen
Sie haben Schlagstöcke, Messer, Macheten. Beschimpfen jeden Mubarak-Gegner, der durchwill. Die meisten Mubarak-Gegner bleiben deshalb nach dem Freitagsgebet zu Hause. Wie auch Nadia Fahrid (43), eine "Halbösterreicherin". Ihre Mutter kommt aus Graz, ihr Vater ist Ägypter. Sie arbeitet als Managerin für die Lufthansa. Bisher fuhr sie jeden Tag über die Qasr-el-Nil-Brücke zum Tahrir-Platz und brachte den Demonstranten Medikamente. Jetzt ist ihr das zu gefährlich geworden: "Bezahlte Mubarak-Anhänger beschimpfen und bespucken dich, es ist apokalyptisch gefährlich."

Trotzdem reißt die Unterstützung für die Demonstranten nicht ab: So wagte sich am Freitag der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, auf den Tahrir-Platz: "Wir wollen dich als Präsidenten", jubelte die Menge.

Die Gewalt kann aber auch er nicht stoppen: Bisher starben bei den Kämpfen mindestens acht Menschen, 1.600 wurden verletzt.
 

ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl: "Lag 10 Minuten am Boden"

Zuerst sah ich die Anti-Mubarak-Demonstranten. Dann der Schrecken: Joey, mein Taxifahrer, wartet in der Nähe des Hilton-Ramses­ Hotels auf mich. Wie jeden Tag. In der Nähe der Nil-Corniche. Es ist kurz nach 13 Uhr. Ende des Freitagsgebets. Vom Hilton-Ramses sind es gerade 200 Meter bis zum Tahrir-Platz. Hinter dem Hotel Dutzende Ambulanzwagen. In den Krankenwagen keine Helfer, sondern Soldaten.

Ich springe ins Taxi, Joey rauscht weg. In Richtung Boulek. Von dort wollen wir auf die 15.-Mai-Brücke, die einzige, die von der Armee nicht gesperrt ist. Raus aus dem Chaos.

Eine fatale Entscheidung. Bereits nach 100 Metern geraten wir in den ersten Pulk von Mubarak-Anhängern. Sie wollen zum Tahrir-Platz. Haben Messer, Macheten, Schlagstöcke, Steine, Mubarak-Poster. Wir werden angehalten. Kontrolle. Es sind wilde Gestalten, die ins Auto starren. Im Schritttempo fahren wir weiter.

10 Minuten am Boden
Die Menge der Mubarak-Anhänger wird immer größer. Eine Kontrolle nach der anderen. Plötzlich schreit einer: "Ein Ausländer!" Die Tür wird aufgerissen, sie zerren mich aus dem Wagen, drücken mich zu Boden. Einer tritt auf meine Schulter, ein anderer in mein Kreuz. Zwei Halbwüchsige mit Macheten in der Hand durchsuchen mich. Holen meine Kameras, mein Telefon, meinen Pass. Entdecken ein Pakistan-Visum: "Ein Spion", schreien sie. Ich sage: "Nemsa, Österreicher."

Sie reagieren nicht. Inzwischen sind es mehrere Dutzend. Ich sehe ihre Stiefel. Will aufstehen, werde niedergedrückt. Sie drohen mit Schlagstöcken, mit Zaunlatten. Aber sie schlagen nicht. Gute 10 Minuten liege ich da. Die Menge tobt, schreit: "Mubarak, Mubarak!" Einer drückt mir sein Mubarak-Poster ins Gesicht. Ein anderer starrt mich an – der Blick, der Hass, die Wut.

Gerettet
Dann zerren sie mich wieder zu meinem Wagen. Ich muss Joey bezahlen, den Fahrer. Dann schicken sie Joey weg. Treiben mich durch die enge Gasse. Von allen Seiten werde ich beschimpft, sie ballen die Fäuste, recken sie in meine Richtung. Drohen mit ihren Schlagstöcken.

Jetzt greift ein junger Soldat ein. Der Mob zeigt ihm meinen Pass, das Pakistan-Visum: "Spion, Spion", rufen sie. Dann kommt ein Offizier. Von einem Panzerwagen wird ein Maschinengewehr auf die Menge gerichtet. Erst jetzt geben sie mir meinen Pass. Die Armee bringt mich weg. Hält mich eine Stunde fest. Dann bringen sie mich zur Nil-Brücke. Gerettet. "Sorry", sagt der Soldat.

Karl Wendl

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Seite 2: Die Ereignisse des Tages im LIVE-Ticker zum Nachlesen

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