04. Mai 2010 17:53
Auch 15 Tage nach der Explosion auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ ist
ein Ende der Ölpest
noch immer nicht in Sicht: 800.000 Liter Öl strömen weiterhin jeden Tag
ungehindert ins Meer, bedrohen Tiere und ganze Küstenstreifen. Klar ist:
Zwar hat der Energiekonzern BP offiziell die Verantwortung für die
Natur-Katastrophe übernommen und will die Kosten von rund 4,5 Millionen Euro
täglich übernehmen – aber: Inoffiziell gerät der Öl-Multi immer stärker
unter Beschuss.
Konsumenten zahlen Sonderabgabe an Öl-Multi
Jetzt wurde
bekannt: Der Konzern – der im letzten Quartal 5,6 Milliarden Dollar Profit
lukrierte – muss voraussichtlich nur für 75 Millionen Dollar geradestehen.
Denn die Ölindustrie richtete laut dem „Oil Pollution Act“ vor genau zwanzig
Jahren einen mit 1,6 Milliarden Dollar dotierten Kompensations-Fonds ein.
Dieser wird bereits von US-Autofahrern bezahlt: Eine Sonderabgabe von 0,8
Prozent auf den Ölpreis wird dafür eingehoben. US-Angeordnete toben über die
Abgabe.
Empörung herrscht auch unter den Fischern im Mississippi-Delta, deren
Lebensgrundlage durch die Ölpest ausgelöscht werden könnte. Von BP wurden
unter ihnen „Knebelvertäge“ verteilt, viele unterschrieben. Dabei wurde
lokale Fischer für die Reinigungsarbeiten angeheuert, doch sie mussten
unterschreiben, dass sie den Konzern nicht verklagen werden. Anderen soll
5.000 Dollar Kompensation angeboten worden sein für den „Verzicht auf
Rechtsschritte“. Opfer-Anwalt Jim Klick: „Wir verlangen das Einziehen all
dieser Dokumente.“
Auch die Preise an den Rohölbörsen könnten nun wieder deutlich in die Höhe
schnellen. Denn durch die Ölpest werden die Ölproduktion im Golf von Mexiko
und wichtige Transportrouten beeinträchtigt – ein verknapptes Angebot und
eine erhöhte Nachfrage lassen die Preise steigen.
Und: Auch die heimischen Autofahrer könnte die Ölpest jetzt indirekt
treffen: „Die Spekulationen auf Rohöl könnten erneut angeheizt werden. Auch
Diesel und Super könnten dann teurer werden“, erklärt Lydia Ninz vom Arbö.