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Ölpest an Küste: Ölpest an Küste:

Gegen BP

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Ölpest an Küste: "Dort ist alles tot"

Der seit Wochen befürchtete Alptraum wird wahr: giftiges Öl aus der explodierten Plattform im Golf von Mexiko hat an der Küste von Louisiana bereits Dutzende Kilometer des hochsensiblen Marschlandes zerstört. Auf einer Länge von gut 38 Kilometern sei das Schwemmland verseucht, sagte der Vorsteher der Gemeinde Plaquemines Parish, Billy Nungesser, am Donnerstag (Ortszeit) im US-Fernsehen.

"Dort ist alles tot"
Im betroffenen Abschnitt sei kein Leben mehr, sagte Nungesser dem Nachrichtenkanal MSNBC. "Dort ist alles tot." "Der Ölschlick zerstört Stück für Stück unser Marschland", fügte Nungesser hinzu. Der Gouverneur des US-Bundesstaates Louisiana, Bobby Jindal, sagte nach einem Flug über das betroffene Gebiet: "Dieses Öl war 177 Kilometer unterwegs, bevor es unsere Küste erreicht hat, und wir machen uns große Sorgen, dass dies erst der Anfang ist." Jindal warnte auch vor den wirtschaftlichen Folgen in seinem Bundesstaat. Die Ölpest bedrohe Fischer, Shrimps- und Austernzüchter.

Experten warnten, dies sei erst der Beginn einer riesigen Umweltkatastrophe, die für Jahrzehnte ihre Spuren hinterlassen könnte. Sie sorgen sich nicht nur um die unmittelbaren, sondern auch die längerfristigen Folgen für Umwelt und Mensch. Das Rohöl "belaste die Fische sowie Fauna und Flora im Golf", warnte der Veterinär Steve Murawski von der Nationalpark-Behörde. Über Plankton, Fische oder Krustentiere könnten die giftigen Substanzen aus dem Öl zudem auch in die Nahrungskette gelangen.

Jahrzehntelange Auswirkungen
Greenpeace-Mitarbeiter John Hocevar sagte, das Öl habe gerade erst die Küste erreicht, werde aber jahrelange, wenn nicht jahrzehntelange Auswirkungen haben. Küstenwache-Vertreter Edwin Stanton erklärte, sollte es nicht gelingen, das Ufer zu reinigen, bleibe als letzter Ausweg nur, das verseuchte Marschland in Brand zu setzen. "Aber das kann man nur einmal machen", sagte Stanton.

Unterdessen erhöhte sich der Druck auf den britischen Ölriesen BP, endlich das wahre Ausmaß der austretenden Ölmenge zu benennen. Der US-Abgeordnete Edward Markey warf dem Konzern vor, die Folgen der Zerstörung seiner Bohrinsel im Golf von Mexiko verheimlicht zu haben. "Wir können BP nicht trauen", sagte der Umweltexperte. Der Konzern hatte anfänglich von 1.000 Barrel Öl gesprochen, die täglich ins Meer strömen, musste inzwischen aber eingestehen, dass es mehr als die fünffache Menge ist. Experten gehen sogar von einer noch viel größeren Ölmenge aus.

BP wehrt sich indessen gegen Vertuschungs-Vorwürfe. Die angegebenen 5.000 Barrel pro Tag seien nur eine grobe Schätzung gewesen, so ein Sprecher in London. Rund die Hälfte der aus dem Leck strömenden schwarzen Wolke bestehe vorliegenden Daten zufolge nicht aus Öl, sondern aus Erdgas.

Weniger giftige Chemikalien
Video-Aufnahmen vom Donnerstag zeigten, dass ein Bohrloch in 1.500 Metern Tiefe, aus dem über ein dünnes Rohr Öl in einen Tanker abgepumpt wird, weiterhin leckt. Die US-Regierung forderte BP unterdessen auf, weniger giftige Chemikalien zu verwenden, um den Ölschlick auf der Wasseroberfläche zu zersetzen.

Am Sonntag will der Konzern ein gewagtes technisches Experiment versuchen, um ein weiteres leckendes Bohrloch am Meeresgrund zu schließen. Dabei sollen große Mengen schweren Schlammes und anderer Spezialflüssigkeiten unter Druck in das Bohrloch gepresst werden, das dann durch Zement abgedeckelt werden soll. "Unsere Hoffnung ist, dass der 'dynamische Kill' am Sonntag erfolgen wird", sagte US-Innenminister Ken Salazar.

Ist Florida als nächstes dran?
Auch an den Bundesstaaten Mississippi und Alabama wurde vier Wochen nach der Explosion der Bohrinsel bereits Ölschlick angeschwemmt. Demnächst könnten die Strände von Florida und sogar die US-Ostküste betroffen sein. Bei der Explosion der Bohrinsel am 20. April kamen elf Arbeiter ums Leben. Zwei Tage später sank die Plattform.

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