Ukraine: Wieder Tote bei neuen Gefechten

Osten kommt nicht zur Ruhe

Ukraine: Wieder Tote bei neuen Gefechten

Russland hat nach Erkenntnissen der US-Regierung etwa zwei Drittel seiner Soldaten von der ukrainischen Grenze abgezogen. Dies seien erste Schritte, hieß es in Washington am Freitag. "Wir wollen aber einen vollständigen Rückzug sehen." US-Präsident Barack Obama trifft am Mittwoch den neuen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Warschau.

Der US-Präsident wird in der polnischen Hauptstadt an den Feiern zum 25. Jahrestag der ersten halbdemokratischen Wahlen im Ostblock teilnehmen. Zu dem Treffen werden 20 Staatsoberhäupter erwartet, darunter Francois Hollande (Frankreich), Joachim Gauck (Deutschland) und auch Bundespräsident Heinz Fischer.

OSZE-Teams weiter vermisst

Die beiden in der Ukraine vermissten Teams der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sind nach Angaben der OSZE weiter in der Hand ihrer Entführer. Der stellvertretende Leiter des Beobachtereinsatzes, Alexander Hug, sagte am Samstag im Deutschlandfunk, Berichte über eine Freilassung könne er nicht bestätigen. Es gebe weder direkt noch indirekt Kontakt zu den Vermissten.

Im Fall der festgesetzten OSZE-Beobachter sagte Separatistenführer Wladimir Rogow, die vier Männer aus Dänemark, Estland, der Schweiz und der Türkei stünden unter "Spionageverdacht". "Wir unterhalten ständigen Kontakt mit der OSZE-Mission. Sie weiß Bescheid, dass mit ihren Jungs alles okay ist", sagte Rogow in der Großstadt Donezk.

Ein anderer Sprecher der Aktivisten betonte, möglicherweise würden die OSZE-Beobachter gegen inhaftierte Gesinnungsgenossen ausgetauscht.

Die russische Tageszeitung "Kommersant" berichtete, dass der OSZE-Ukraine-Beauftragte Wolfgang Ischinger seinen Posten verlassen werde. Das Mandat des deutschen Diplomaten sei am Tag der ukrainischen Präsidentenwahl am 25. Mai abgelaufen, wurde Roland Bless von der OSZE zitiert. Ischinger hatte nach seiner Ernennung im Mai dreimal den Runden Tisch zur nationalen Einheit moderiert.

Das russische Außenministerium sprach sich für eine Fortsetzung dieser Dialogrunden aus. Dabei sollten alle politischen Kräfte und alle Regionen des Landes vertreten sein, unterstrich ein Sprecher des Außenamtes in Moskau. Er forderte die Führung in Kiew erneut zum sofortigen Ende der "Anti-Terror-Operation" gegen Separatisten auf.

Wieder Tote bei Gefechten in der Ostukraine

Bei neuen schweren Gefechten zwischen ukrainischen Sicherheitskräften und militanten Separatisten wurden in der Ostukraine mindestens zwei Menschen getötet und acht verletzt. Im Zentrum der Kämpfe stand erneut die Stadt Slawjansk.

Hier seien beim nächtlichen Vorrücken von Regierungseinheiten zwei Zivilisten erschossen und vier verletzt worden, sagte ein Sprecher der prorussischen Aktivisten am Samstag. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Bei einem Schusswechsel nahe des ukrainisch-russischen Grenzpostens Djakowo wurden drei Soldaten verletzt. Etwa 80 unbekannte Angreifer hätten den Posten mit Granatwerfern attackiert, sagte ein Armeesprecher in der Hauptstadt Kiew. Die Sicherheitskräfte hätten das Feuer erwidert und seien von einem Kampfjet des Typs Suchoi Su-27 unterstützt worden. Die Angreifer hätten sich später zurückgezogen.

Der Republikchef der russischen Konfliktregion Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, wies Berichte zurück, in der Ukraine würden Kämpfer aus der Kaukasusregion offiziell an der Seite der Separatisten kämpfen. "Ich kann nicht ausschließen, dass dort tschetschenische Freiwillige kämpfen, aber die Berichte über eine tschetschenische Sondereinheit sind absolut unwahr", betonte Kadyrow der Agentur Interfax zufolge. US-Außenminister John Kerry hatte sich am Vortag besorgt über Berichte geäußert, dass tschetschenische Kämpfer an der Seite der Separatisten kämpften.

Kadyrow räumte ein, dass er auf Bildern aus der Ukraine einige Tschetschenen erkannt habe. "Wir haben sie nicht dorthin geschickt", sagte er. "Wenn eine Person freiwillig geht, haben wir aber nicht das Recht, sie aufzuhalten." Zugleich schloss er nicht aus, tschetschenische Kämpfer in die Ukraine zu schicken, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin das anordnen sollte. "Wenn es einen Befehl gibt, werden wir ihn mit Vergnügen ausführen, denn jeder Kämpfer ist ein Verteidiger seines Volkes, seines Vaterlandes", sagte Kadyrow.

Kadyrow hat den Ruf, in Tschetschenien diktatorisch und mit harter Hand seine Herrschaft und die Interessen der Regierung in Moskau durchzusetzen. Menschenrechtler werfen seinen Sicherheitskräften Entführungen und Folter vor, was diese bestreiten.
 

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