Papst unterzeichnete Brief zu Missbrauch

Spannung

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Papst unterzeichnete Brief zu Missbrauch

Papst Benedikt XVI. hat am Freitag den mit Spannung erwarteten Hirtenbrief zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche unterzeichnet. Das Schreiben, das vor allem an die irische Kirche wegen der dortigen tausendfachen Missbrauchsfälle gerichtet ist, wird am morgigen Samstag veröffentlicht. Besonders in Deutschland sind die Erwartungen hoch, dass sich Benedikt in dem Brief auch konkret zu den Fällen in seinem Heimatland äußert.

Verzögerung wegen Skandalwelle
In Rom hieß es, der Papst wolle klare Wege aufzeigen, wie Pädophilie in der Kirche ausgemerzt werden soll. Joseph Ratzinger hatte am Mittwoch angekündigt, das Dokument an seinem Namenstag - dem Tag des heiligen Josef, dem 19. März - zu unterschreiben. "Meine Hoffnung ist, dass der Hirtenbrief euch hilft auf dem Weg der Reue, der Heilung und Erneuerung", hatte er gesagt.

Vor einer Woche hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, dem Papst von den vielen Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche in Deutschland berichtet. Der im Dezember für die irischen Katholiken angekündigte Brief auf Italienisch und auf Englisch verzögerte sich offenbar wegen der jüngsten Skandalwelle auch in anderen europäischen Ländern, darunter auch Österreich. Der Vatikan will am Samstag auch kurze Zusammenfassungen in anderen Sprachen veröffentlichen, was dafür spricht, dass der Hirtenbrief eine gewisse Länge hat.

Forderung nach "null Toleranz"
Im Februar hatte Benedikt die gesamte irische Bischofskonferenz zu einem Krisengipfel nach Rom zitiert, um seine Forderung nach "null Toleranz", Aufarbeitung und Vorbeugung von Missbrauch zu bekräftigen. Danach wurden immer mehr, teilweise lange zurückliegende Fälle auch in Deutschland und Österreich bekannt - unter anderem im Erzbistum München unter dem damaligen Erzbischof Joseph Ratzinger sowie bei den über viele Jahre von seinem Bruder Georg Ratzinger geleiteten Regensburger Domspatzen. Dies verstärkte den Ruf aus Deutschland noch, Benedikt solle sich persönlich zu diesem Skandal äußern.

Grundsätzlich handelt es sich bei einem Hirtenbrief um Rundschreiben von Bischöfen an die Gläubigen. Die Verfassung eines Hirtenbriefes ist also kein Vorrecht des Papstes. Die Schreiben der Bischöfe als "Oberhirten" befassen sich mit Glaubensfragen, aber auch mit gesellschaftlichen Fragen der Zeit. Regelmäßig werden sie zur Fastenzeit veröffentlicht.

Leitlinien verschärfen
Der Papst selbst schreibt Schätzungen zufolge pro Jahre etwa zehn Hirtenbriefe. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Enzykliken des Heiligen Vaters. Dabei handelt es sich um päpstliche Lehrschreiben, in denen sich das Kirchenoberhaupt in verbindlicher Weise zu grundlegenden Fragen äußert.

Die deutschen Bischöfe gaben unterdessen bekannt, ihre Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen verschärfen zu wollen. Demnach muss künftig jeder Verdachtsfall der Staatsanwaltschaft gemeldet werden. Die Freisinger Bischofskonferenz, der hauptsächlich bayerische Bistümer angehören, hatte diese Meldepflicht am Donnerstag bereits in Kraft gesetzt. Auch die Deutsche Bischofskonferenz insgesamt will sich nun daran orientieren, wie ihr Sprecher Matthias Kopp am Freitag in Bonn ankündigte: "Die Ergebnisse der Freisinger Bischofskonferenz werden in die Überarbeitung der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz einfließen."

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