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Probleme für Italien bei Brenner-Schließung

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Probleme für Italien bei Brenner-Schließung

Nach der Schließung der Balkanroute und dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Pakts könnte Italien wieder das Hauptziel von Migranten, die nach Europa gelangen wollen, werden. Der Leiter der Hilfsorganisation Italienischer Flüchtlingsrat (CIR), Christopher Hein, rechnet mit einem starken Migrationsstrom nach Italien und warnt vor Problemen, sollte die Brenner-Grenze geschlossen werden.

Wachsender Trend
"Der Trend ist wachsend. Seit Jahresbeginn sind 53 Prozent mehr Flüchtlinge als im Vergleichszeitraum 2015 in Italien eingetroffen. Die Migranten starten vor allem aus Libyen, aber immer häufiger auch aus Ägypten. Hier steigen auch viele Minderjährige in die Flüchtlingsboote. Die Gefahren für das Leben der Flüchtlinge ist groß", betonte Hein im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Republica" am Montag.

"Wir wissen, dass, wenn eine Route geschlossen wird, sich sofort eine andere öffnet. Man muss mit Menschen rechnen, die um jeden Preis nach Europa gelangen wollen", sagte der CIR-Leiter. Laut Hein könnte auch die Zahl der Migranten, die von Albanien über die Adria ins süditalienische Apulien gelangen, stark zunehmen.

Ausreise bremsen
"Als erschwerender Umstand könnten noch die Grenzkontrollen an der Brenner-Grenze dazu kommen, was die Ausreise der Flüchtlinge aus Italien bremsen könnte. Italien befindet sich dann mit einem Mal wieder im Mittelpunkt der Migrationsströme", so Hein.

Der CIR-Leiter riet zu Umsicht im Zusammenhang mit Schätzungen der scheidenden Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), laut der bis Ende dieses Jahres 300.000 Migranten Italien erreichen könnten. "Es ist unmöglich, Prognosen zu machen. Zu viele Komponenten sind im Spiel, angefangen bei den Entwicklungen der instabilen Situation in Libyen", berichtete Hein.

Zusammenbruch des Aufnahmesystems
Italiens Aufnahmesystem drohe zusammenzubrechen, warnte der Experte. Italien beherberge bereits 111.000 Flüchtlinge. "Man braucht nicht auf 300.000 Migranten zu gelangen, damit eine bereits kritische Situation explodiert", so Hein. Sollte es wirklich zu einer Rekordzahl an Flüchtlingsankünften in Italien kommen, müsste auch das EU-Umverteilungssystem an die neue Situation angepasst werden, forderte Hein.

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