Putin besucht Slowenien: Staus vorprogrammiert

Ehrung von Kriegsgefangenen

Putin besucht Slowenien: Staus vorprogrammiert

Großer Bahnhof für den russischen Präsidenten Wladimir Putin in den slowenischen Alpen: Der Kreml-Chef wird am Samstag auf dem Vrsic-Pass bei Kranjska Gora an einer Gedenkfeier für im Ersten Weltkrieg bei einem Lawinenabgang getötete russische Kriegsgefangene teilnehmen. Der Besuch findet unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt, zahlreiche Straßen in der Region Gorenjska werden gesperrt.

Anlass für den Besuch ist der 100. Jahrestag der Errichtung der Russischen Kapelle unter dem Bergpass, der an die 300 Kriegsgefangenen erinnern soll, die während des Baus der Bergstraße durch einen Lawinenabgang ums Leben gekommen waren. Die alljährlich am letzten Juli-Sonntag stattfindende Gedenkfeier wurde auf Wunsch der russischen Seite auf Samstag vorverlegt.

Programm noch unklar

Das genaue Programm des Besuchs ist noch unklar. Bekannt ist nur, dass Putin bei der Gedenkfeier auf dem Vrsic-Pass eine Rede halten wird. Außerdem soll er auf dem Friedhof von Ljubljana ein Denkmal für die in den beiden Weltkriegen gefallenen russischen und sowjetischen Soldaten enthüllen.

Inoffiziell hieß es, dass der Kreml-Chef am Samstag noch zu einem Abendessen mit seinem slowenischen Amtskollegen Borut Pahor in Brdo bei Kranj zusammenkommen soll. In Slowenien lebende Ukrainer haben aus Anlass des Besuchs eine Protestkundgebung vor der russischen Botschaft in Ljubljana angekündigt. Die Landung Putins am Flughafen von Ljubljana ist für 13.00 Uhr geplant.

Stauchaos vorprogrammiert

Der Besuch wird von strengsten Sicherheitsvorkehrungen begleitet, die Urlaubsreisende zu spüren bekommen könnten. Sogar der Karawankentunnel soll mehrfach gesperrt werden. Der Autofahrerklub ARBÖ rät daher Reisenden, bei Urlaubsfahrten nach Kroatien großräumig über Italien (A23 über Tarvis und Udine) auszuweichen und erst über die Autobahn A34 (Villesse-Gorizia) nach Slowenien einzureisen.

Für die Gedenkfeier müssten sich nicht nur die Journalisten akkreditieren. Auch die rund 2.500 Besucher, die bei der Kapelle erwartet werden, mussten sich im Voraus anmelden und ihre Daten prüfen lassen. In Kranjska Gora werden sich alle Teilnehmer Sicherheitschecks wie auf einem Flughafen unterziehen müssen, bevor sie organisiert in Bussen auf den Vrsic-Pass gebracht werden.

Dritter Besuch

Das ist bereits der dritte Besuch von Putin in Slowenien - 2001 traf er in Slowenien mit US-Präsident George W. Bush zusammen, 2011 besuchte er das Land als russischer Premier. Diesmal findet er in einer Zeit abgekühlter Beziehungen zwischen Russland und dem Westen statt. Als EU- und NATO-Mitglied versucht Slowenien das Verhältnis zu Russland, einem seiner wichtigen Handelspartner, aufrecht zu erhalten. Das kleine Land balanciert so zwischen seinen westlichen Verbündeten und Moskau.

Vor dem Hintergrund der EU-Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Konflikt versucht Ljubljana die politische Bedeutung des Besuches herunterzuspielen. Die slowenischen Behörden beteuern, dass es sich um ein einen "Gedenkbesuch" handelt und dass es keine formellen politischen Gespräche geben soll. Vorerst ist so auch nicht bekannt, wer von slowenischer Seite - abgesehen von Präsident Pahor und Außenminister Karl Erjavec - an der Gedenkfeier teilnehmen wird. Aus Österreich soll es keine Vertreter geben, wie die APA bei der österreichischen Botschaft in Ljubljana erfahren konnte.

"Frieden und Kooperation"

Der slowenische Präsident betonte jüngst in einem Interview für den Privatsender POP TV, dass "Frieden und Kooperation" die Botschaft des Putin-Besuchs sein werden. Das Kommen Putins zur Gedenkfeier zeige, dass Russland "nicht immun" gegen Dialog sei.

"Der Besuch bewahrt oder stärkt sogar die Kondition der Zusammenarbeit zwischen Slowenien und Russland, jedoch nicht in einer Weise, dass unsere Alliierten, die sich durch die russische Politik bedroht fühlen, dies als slowenisches Messer in den Rücken verstehen sollen", betonte Pahor. Er zeigte sich überzeugt, dass Slowenien einen "guten diplomatischen Zug" gemacht hat, mit dem die guten Beziehungen zu Russland bewahrt werden, ohne "schlechte Gefühle" bei den EU- und NATO-Partnern zu wecken. Pahor stellte auch einen Besuch in Russland in Aussicht.

Kritik

Der slowenische Präsident räumte jedoch ein, dass der Westen die Visite des Kreml-Chefs eher kritisch sieht. Die Amerikaner seien über die Entscheidung, Putin nach Slowenien einzuladen, "bestimmt nicht begeistert gewesen", sagte Pahor in einem Interview für die Wochenzeitung "Mladina". "Sie ist nicht gut angekommen, man hat mir davon abgeraten", so der slowenische Präsident.

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