Putschversuch in Guinea-Bissau

Premier festgenommen

© EPA/LUSA

Putschversuch in Guinea-Bissau

Abtrünnige Soldaten haben am Donnerstag einen Staatsstreich in Guinea-Bissau versucht. Der Ministerpräsident des westafrikanischen Landes sei mehrere Stunden festgehalten und erst nach dem Protest Hunderter Demonstranten freigelassen worden, sagte der Minister für Landverwaltung, Luis Sanca, der Nachrichtenagentur AP. Der Oberkommandierende der Streitkräfte blieb zunächst in der Hand von Aufständischen. Offenbar steckt sein Stellvertreter hinter dem Umsturzversuch.

Kurz nach der Freilassung des Regierungschefs Carlos Gomes junior war der Stellvertreter des Oberkommandierenden, Antonio Ndjai, im staatlichen Fernsehen zu sehen. "Wenn die Leute weiter für Carlos Gomes junior auf die Straße gehen, werde ich ihn töten oder töten lassen", sagte Ndjai.

Nach Angaben des Ministers für Landverwaltung wurden er und der Ministerpräsident am Morgen von Soldaten in eine Kaserne verschleppt. Dort hätten sie den Oberkommandierenden der Streitkräfte, Zamora Induta, gesehen, der ebenfalls festgesetzt worden sei. Gegen 11.00 Uhr hätten die Umstürzler den Ministerpräsidenten und ihn selbst ziehen lassen, sagte Sanca. Hunderte Menschen hätten vor dem Regierungssitz "Niemals wieder ein Staatsstreich in Guinea-Bissau" skandiert. Im Radio lief Militärmusik, was in der gesamten Region als Zeichen für einen Staatsstreich gilt.

Die Festnahmen standen den Angaben zufolge in Zusammenhang mit einem Streit um den Ex-Chef der Marine, José Américo Bubo Na Tchute, der als politischer Freund von Ndjai und als Gegner Indutas gilt. Der Ex-Marinechef sei von Militärs mit Waffengewalt aus dem Quartier der Friedensmission der Vereinten Nationen (UNOGBIS) in Bissau geholt worden, wo er nach seiner Rückkehr aus dem Exil Zuflucht gefunden hatte, berichtete Lusa. Bubo Na Tchute wird eines Putschversuchs im Jahr 2008 bezichtigt.

Präsident Malam Bacai Sanha gab zunächst keine Stellungnahme ab. Soldaten hatten Sanhás Vorgänger Joao Bernardo Vieira am 2. März 2009 ermordet, kurz nachdem der Armeechef des Landes von einer Bombe getötet worden war. Drei Monate später wurde Sanha zum Präsidenten gewählt.

Seit seiner Unabhängigkeit 1973 hat die frühere portugiesische Kolonie zahlreiche Umsturzversuche durch das Militär erlebt. Wegen der anhaltenden Gewalt und Instabilität rangiert Guinea-Bissau auf dem drittletzten Platz der Entwicklungsrangliste der UNO. Die meisten Menschen müssen ohne Strom und sauberes Wasser auskommen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 46 Jahren.

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