Türkei

"Religionsbeleidigung": Satiremagazin eingestellt

Nach Veröffentlichung einer religionskritischen Karikatur hat ein Verlag in der Türkei sein eigenes Satiremagazin eingestellt. Man wolle außerdem Strafanzeige wegen "Religionsbeleidigung" gegen die Autoren der Zeichnung erstatten, meldete die Tageszeitung "Cumhuriyet" unter Berufung auf eine Erklärung eines Verlagsanwalts am Freitag.


Heftige Kritik an der Zeichnung kam auch von der türkischen Regierung. Die wöchentlich erscheinende Zeitschrift "Girgir"? veröffentlichte daraufhin eine Entschuldigung. Die Zeichnung stellt den Auszug der Israeliten aus Ägypten und die Teilung des Roten Meers durch Moses dar. Einige der Umstehenden machen sich über den ebenfalls dargestellten Moses lustig.

 

"Hassverbrechen"

Der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, kritisierte die Zeichnung auf Twitter als "ein Hassverbrechen", das "nichts mit Meinungsfreiheit zu tun habe". Türkische Regierungskreise monierten, sie sei "respektlos gegenüber Religion". Ivo Molinas, Chefredakteur der in Istanbul erscheinenden jüdischen Wochenzeitung "Salom", prangerte die Karikatur als "respektlos" an.

Nach Angaben der unabhängigen Journalistenplattform P24 sind nach dem Putschversuch im Juli 2016 mehr als 170 Medien und Verlage durch Notstandsdekrete geschlossen worden. Dutzende regierungskritische türkische Journalisten sitzen in Haft. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag die Türkei schon vor dem im Juli 2016 verhängten Ausnahmezustand auf Platz 151 von 180 Staaten.

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