Revolte in britischem Gefängnis

Wärter sind geflohen

Revolte in britischem Gefängnis

Mithilfe von Spezialeinheiten ist eine schwere Gefängnisrevolte im britischen Birmingham beendet worden. Sicherheitskräfte konnten die vier betroffenen Trakte der Haftanstalt nach mehreren Stunden wieder unter Kontrolle bringen, wie die private Betreiberfirma in der Nacht zu Samstag mitteilte. Ein Gefangener sei verletzt worden, er habe einen Bruch des Kiefers und der Augenhöhle erlitten.

Untersuchungen laufen

Der Schaden im Gefängnis und die Ursachen des Aufstands würden nun untersucht, die Verantwortlichen vor Gericht zur Rechenschaft gezogen. Nach Schätzung der Gewerkschaft der Angestellten im Justizvollzugsdienst (POA) waren an der Revolte Hunderte Gefangene beteiligt. Laut der Betreiberfirma G4S hatten sie im Laufe des Freitags die vier Trakte der zentral gelegenen Einrichtung übernommen. Einem Häftling war es nach Polizeiangaben anscheinend gelungen, einem Mitarbeiter die Schlüssel zu einem Zellentrakt zu entreißen. Das Gefängnispersonal habe die betroffenen Gebäudeteile daraufhin abgeriegelt und sich in Sicherheit begeben. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit bestand nach Angaben des Justizministeriums nicht.

Birmingham ist mit etwas mehr als einer Million Einwohner die zweitgrößte Stadt in Großbritannien nach der Hauptstadt London. Die Haftanstalt im Stadtzentrum ist mit 1.450 Insassen eine der größten im Land. Sie stammt noch aus viktorianischer Zeit und gilt, wie viele Gefängnisse im Land, als veraltet. Der Vorfall ist bereits der dritte innerhalb weniger Monate.

Akuter Personalmangel

POA-Chef Mike Rolfe deutete einen Zusammenhang der Revolte mit akutem Personalmangel an. Mehr als 30 Mitarbeiter hätten das Gefängnis in den vergangenen Wochen verlassen, sagte er der BBC. Der Sender wurde nach eigenen Angaben während der Revolte von mehreren mutmaßlichen Insassen angerufen, die sich über schlechtes Essen, Hygienemängel und fehlendes Personal beschwerten.

Rolfe bezeichnete den Vorfall in Birmingham als vielleicht schwersten dieser Art seit dem sogenannten Strangeways-Aufstand von 1990. Damals hatten anfänglich rund 1.000 Häftlinge des gleichnamigen Gefängnisses in Manchester revoltiert und die Haftanstalt schwer beschädigt. Die Unruhen wurden von den Behörden in umstrittener wochenlanger Zermürbungstaktik bekämpft und lösten seinerzeit eine Reihe von ähnlichen Revolten in anderen britischen Gefängnissen aus.

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