Rücktritt: Großer Zapfenstreich für Köhler

Kritische Bilanz

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Rücktritt: Großer Zapfenstreich für Köhler

Zwei Wochen nach seinem überraschenden Rücktritt wird der deutsche Bundespräsident Horst Köhler am Dienstagabend (22:00 Uhr) mit einem Großen Zapfenstreich geehrt und verabschiedet. An der Zeremonie im Park des Berliner Schlosses Bellevue nehmen unter anderem Kanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Guido Westerwelle und Bundestagspräsident Norbert Lammert teil, wie ein Sprecher des Bundespräsidialamts berichtete.

Trittin verteidigt Kritik
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin verteidigte noch einmal seine scharfe Kritik an Köhlers Äußerungen zur Rolle der Bundeswehr. "Der Präsident hatte sich missverständlich ausgedrückt und ich wollte eine Klarstellung von ihm", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Es müsse möglich sein, dass man einen Präsidenten scharf kritisiert. "Meine Worte an Herrn Köhler mögen im Ton zugespitzt gewesen sein, aber das kann nicht wirklich ein Rücktrittsgrund sein."

Köhler war Ende Mai wegen der Kritik an seinen Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr zurückgetreten. Sein Nachfolger wird am 30. Juni gewählt. Das Amt soll nach dem Willen von Union und FDP der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff übernehmen.

"Unsicherer Mensch"
Köhler-Biograf Gerd Langguth zog eine kritische Bilanz der Amtszeit des Bundespräsidenten. "Er war kein Mann, der die Politik sehr gut kannte", sagte der Politikwissenschaftler im Deutschlandradio Kultur. Köhler habe immer wieder versucht zu verbergen, dass er ein unsicherer Mensch sei. Trotz seiner Beliebtheit im Volk habe Köhler an unmittelbarer Erfahrung mit dem Volk gefehlt, da er niemals als Mandatsträger um dessen Stimmen gerungen habe. "Bei ihm hat sich auch sehr viel Frustrationspotenzial angesammelt, und deswegen hat er irgendwann die Prügel hingeschmissen."

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