12. März 2010 17:19
Russland und Indien haben am Freitag milliardenschwere Abkommen in der Atom-
und Rüstungsindustrie unterzeichnet. Wie beim Besuch des russischen
Ministerpräsidenten Wladimir Putin in Neu Delhi aus dessen Delegation
verlautete, wird Russland in den kommenden Jahren bis zu 16 Atomreaktoren in
Indien bauen. Außerdem kauft Indien 29 russische Kampfflugzeuge im Wert von
rund 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro).
Das Nuklear-Abkommen sehe den Bau "von bis zu 16 Atomreaktoren an drei
verschiedenen Standorten vor", sagte der stellvertretende russische
Regierungschef Sergej Iwanow in Neu Delhi. Nach Angaben des Chefs des
staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom, Sergej Kirijenko, sollen sechs
Reaktoren bis zum Jahr 2017 gebaut werden.
Russland baut bereits im südindischen Unionsstaat Tamil Nadu zwei
Atomreaktoren. Putin bezeichnete Atomkraft als einen "der wichtigsten und
vielversprechendsten Bereiche der Zusammenarbeit" zwischen Russland und
Indien. Russland verfügt neben Knowhow in der Atomenergie über große
Vorkommen an Erdöl und Erdgas. Das aufstrebende Schwellenland Indien ist
wegen seines wachsenden Energiebedarfs auf die Erschließung neuer
Energiequellen angewiesen.
Beide Länder unterzeichneten am Freitag auch ein Abkommen über die Lieferung
von 29 russischen Kampfflugzeugen des Typs MiG-29 an Indien. Die
Auslieferung der Flugzeuge solle im Jahr 2012 beginnen, sagte der Chef der
beiden russischen Flugzeugbauer RAC-MiG und Suchoi, Michail Pogosjan. Den
Wert des Rüstungsgeschäftes gab er mit rund 1,5 Milliarden Dollar an.
Putin betonte die Bedeutung weiterer Rüstungsgeschäfte, um die
Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zu vertiefen. Im Jahr 2009
belief sich das Handelsvolumen zwischen Russland und Indien auf 7,5
Milliarden Dollar (5,5 Milliarden Euro). Bis zum Jahr 2015 soll dieser
Betrag nach dem Willen der Regierungen in Moskau und Neu Delhi auf 20
Milliarden Dollar ansteigen.
Moskau, das seit den 1950er Jahren enge Beziehungen zu Neu Delhi unterhält,
stellt rund 70 Prozent der militärischen Ausrüstung Indiens. Zuletzt hatte
sich Indien für Rüstungsgeschäfte allerdings verstärkt auch anderen Ländern
zugewandt, vor allem den USA und Israel. Mit den nun geschlossenen Verträgen
unterstreicht Russland seine Rolle als wichtigster Rüstungslieferant Indiens.
Die indische Zentralbank gab unterdessen bekannt, vom Internationalen
Währungsfonds (IWF) ausgegebene Anleihen im Wert von 10 Milliarden Dollar
(7,4 Milliarden Euro) kaufen zu wollen. Ziel sei es, die internationalen
Bemühungen für eine Stärkung der Kapazitäten für die Vergabe von Darlehen
durch den IWF zu unterstützen, erklärte die Zentralbank in Neu Delhi.
Im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise musste der IWF, der
die Stabilität des internationalen Finanzsystems sicherstellen soll, bereits
zahlreichen Ländern mit Krediten aushelfen - darunter Ungarn, Island und
Lettland.