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Sarkozy nimmt Dati Dienstwagen weg

Nach TV-Auftritt

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Sarkozy nimmt Dati Dienstwagen weg

Die französische Europaabgeordnete Rachida Dati hat sich offenbar durch einen Fernsehauftritt um ihren Dienstwagen gebracht. Die Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy entzog der ehemaligen Justizministerin von jetzt an gleich den Dienstwagen, nachdem sie nach der Niederlage der Konservativen in der ersten Runde der Regionalwahlen im Fernsehen aufgetreten war, wie es in Datis Umfeld am Mittwoch hieß. Auch die drei Personenschützer, die das Innenministerium ihr nach dem Ausscheiden aus der Regierung noch bewilligt hatte, wurden über Nacht abgezogen.

"Was macht die denn da?"
Die Wochenzeitung "Le Canard Enchaine" berichtete, Sarkozy sei wütend geworden, als er seine ehemalige Ministerin im Fernsehen gesehen habe. "Was macht die denn da?", habe er sich empört. "Im Wahlkampf hat man nichts von ihr gehört, und jetzt stellt sie sich vor die Kameras!" Der Präsident habe sofort zum Hörer gegriffen und den Leiter der französischen Polizei angerufen, um Dati "noch in derselben Stunde" ihren Wagen samt Fahrer und Leibwächter zu entziehen, berichtete die Zeitung. Im Umfeld der konservativen Politikerin hieß es, ob die Anordnung von Sarkozy gekommen sei, sei unklar. "Klar ist, dass es eine Entscheidung des Innenministeriums war."

Die Zeitung berichtete, dass Dati von ihren Leibwächtern selbst erfahren habe, dass sie abgezogen würden, während sie noch im Studio von France 2 gewesen sei. Sie habe dem Innenministerium gerade noch abringen können, dass sie nicht zu Fuß nach Hause gehen musste, sondern ein letztes Mal gefahren wurde. Am nächsten Morgen habe sie auch das Handy zurückgeben müssen, das bisher das Innenministerium gezahlt habe. Statt des luxuriösen Peugeot 607 V6 muss Dati jetzt auf einen Renault Laguna umsteigen, der ihr als Bürgermeisterin des siebenten Pariser Bezirks zusteht.

Dati war einer der Stars in Sarkozys Kabinett gewesen, als der neu gewählte Staatschef im Sommer 2007 sein Regierungsteam vorstellte. Die Tochter einer Einwandererfamilie machte aber schnell durch ihren angeblich autoritären Führungsstil sowie ihren Hang zum Luxus von sich reden und fiel bei Sarkozy in Ungnade. Seit vergangenem Sommer ist sie - auf Wunsch des Präsidenten - einfache Abgeordnete im Europaparlament.

Streit um Billig-Wohnung für französischen Staatssekretär

Ein französischer Staatssekretär ist am gleichen Tag wegen einer subventionierten Billig-Wohnung unter Beschuss gekommen. Der kürzlich ins Kabinett aufgenommene Georges Tron zahle für seine Wohnung nicht einmal die Hälfte des Marktpreises, berichtete das Enthüllungsblatt "Le Canard Enchaîné" (Mittwoch). Auf dem absurd teuren Pariser Wohnungsmarkt liege die Miete für eine knapp 120 Quadratmeter große Wohnung in vergleichbarer Ausstattung und Lage bei 3.000 Euro. Tron hingegen zahle nur 1.400 Euro. Das Gebäude sei von der Stadt Paris subventioniert worden.

Tron habe die Wohnung bereits 1992 vom damaligen Bürgermeister und späteren Präsidenten Jacques Chirac zugesprochen bekommen. In Frankreich gibt es immer wieder Kritik an Politikern, die trotz guter Einkommen eine der hoch gefragten subventionierten Wohnungen belegen. Ein Kabinettsdirektor einer Ministerin hatte Ende 2007 wegen einer ähnlichen Affäre zurücktreten müssen. Tron verdankt seinen Aufstieg zum Staatssekretär unter anderem der Tatsache, dass er ein Vertrauter von Ex-Premierminister Dominique de Villepin ist, dem Erzrivalen von Präsident Nicolas Sarkozy.

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