Schwere Krawalle in Mexiko

Studenten-Morde

Schwere Krawalle in Mexiko

Nach dem mutmaßlichen Mord an 43 Studenten im Südwesten Mexikos ist es landesweit zu heftigen Protesten gekommen. Hunderte aufgebrachte Demonstranten griffen den Regierungspalast des Bundesstaates Guerrero an. Sie schleuderten am Samstag Steine und Molotow-Cocktails auf das Gebäude und steckten mindestens sieben Autos in Brand. Auch in Mexiko-Stadt kam es zu Krawallen.

Angriff auf Nationalpalast
In der mexikanischen Hauptstadt gingen am Samstag Tausende Menschen aus Solidarität mit den Verschleppten auf die Straße. "Es war der Staat" und "Warum tötet ihr uns, wenn wir doch die Hoffnung von Lateinamerika sind", skandierten die Studenten vor dem Sitz der Generalstaatsanwaltschaft. Eine kleine Gruppe von Demonstranten rammte in der Nacht auf Sonntag Metallbarrikaden gegen die massive Eingangstür des Nationalpalastes und setzte sie kurzzeitig in Brand, konnte jedoch nicht in das Gebäude gelangen. Der Nationalpalast wird hauptsächlich von Staatspräsident Enrique Pena Nieto zu Repräsentationszwecken genutzt.

Die Studenten waren Ende September in der Stadt Iguala von Polizisten verschleppt und offenbar später Mitgliedern der kriminellen Organisation "Guerreros Unidos" übergeben worden. Mehrere Bandenmitglieder hätten gestanden, die jungen Leute getötet und verbrannt zu haben, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Freitag mit. Nahe der Ortschaft Cocula im Bundesstaat Guerrero entdeckten die Ermittler Asche und Zähne.

Innsbruck untersucht Proben
Die Proben sollen nun in einem Labor der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht werden. Bis zur Identifizierung der Leichen gelten die Studenten laut Behörden aber weiter als vermisst.

Der Fall Iguala hat ein Schlaglicht auf die enge Verstrickung staatlicher Institutionen mit dem organisierten Verbrechen in Mexiko geworfen. Der Bürgermeister von Iguala und seine Frau waren am Dienstag als mutmaßliche Drahtzieher der Tat festgenommen worden. Anscheinend wollte Rathauschef Jose Luis Abarca verhindern, dass die Studenten eine Rede seiner Frau als Vorsitzende des örtlichen Wohlfahrtsverbands stören.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf Mexiko Nachlässigkeit bei der Verfolgung schwerer Straftaten vor. Auch Human Rights Watch erhob Vorwürforwürfe gegen die Behörden. "Das sind die schlimmsten Grausamkeiten seit Jahren in Mexiko, aber keine Einzelfälle", sagte Amerika-Direktor Jose Miguel Vivanco.

In den sozialen Netzwerken wurde unterdessen der Slogan "Ya me canse" (Genug, ich bin jetzt müde) zum Trending Topic. Mit diesen Worten hatte Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Karam am Freitag die Pressekonferenz über die jüngsten Ermittlungsergebnisse abgebrochen. "Wenn du müde bist, warum trittst du nicht zurück?", schrieb ein Internetnutzer unter dem Hashtag #YaMeCanse auf Twitter. "Ich habe genug von Murillo Karam." Ein anderer Nutzer schrieb: "Genug, ich bin es überdrüssig, in einem Narko-Staat zu leben."
 

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