Schweres Zugsunglück mit 18 Toten

Drama in Belgien

Schweres Zugsunglück mit 18 Toten

Ein unachtsamer Lokführer hat in Belgien ein katastrophales Zugunglück mit mindestens 18 Toten verursacht. Der Fahrer hatte ein rotes Stoppsignal übersehen. Weitere 80 Fahrgäste wurden verletzt. Im morgendlichen Berufsverkehr waren am Montag in Buizingen bei Brüssel zwei voll besetzte Regionalzüge zusammengeprallt. Für viele Pendler wurde es zu einer Fahrt in den Tod. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Brüssel könnte die Zahl der Todesopfer noch auf 20 steigen, da in den Trümmern weiter nach Opfern gesucht wurde. Der internationale Zugverkehr nach Frankreich und England war komplett unterbrochen. Nach dem Zugsunglück haben belgische Gewerkschaften die schlechten Arbeitsbedingungen der Bahnangestellten kritisiert. Auf dem Sicherheitspersonal laste extremer Druck.

Der Lokführer der Regionalbahn aus Löwen habe ein Haltesignal übersehen, sagte der Gouverneur von Flämisch-Brabant, Lodewijk De Witte. Vermutlich spielte das schlechte Wetter mit dichtem Schneefall eine Rolle. Der Fahrplan sei durcheinandergeraten, da der entgegenkommende Zug zehn Minuten Verspätung hatte. Nach Angaben des belgischen Bahnnetz-Betreibers Infrabel war die Strecke mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, das Züge beim Überfahren eines roten Signals automatisch stoppt. Doch seien noch nicht alle Züge damit ausgerüstet.

15 Männer und drei Frauen tot
Die Katastrophe mitten im morgendlichen Pendlerverkehr ereilt Belgien knapp drei Wochen nach der schweren Gasexplosion in Lüttich mit 14 Toten. Diesmal waren nach Angaben des Krisenzentrums der Polizei 15 Männer und drei Frauen unter den Toten. In den voll besetzten Zügen saßen laut Bahngesellschaft SNCB 250 bis 300 Menschen. Einige Fahrgäste wurden eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr befreit werden. Etwa 20 Fahrgäste erlitten schwere Verletzungen, weitere 60 wurden wegen Schocks, Prellungen oder kleiner Schnitte behandelt. Schneefall und eisige Kälte behinderten die Bergungsarbeiten.

Schienenverkehr ausgesetzt
Nach dem Unglück hat die belgische Bahn SNCB den Verkehr zwischen Belgien und Frankreich für Dienstag ausgesetzt. Wie die französische Bahn SNCF und die Gesellschaft des Hochgeschwindigkeitszugs Thalys am Montag erklärten, sei die belgische Hauptstadt auch am Dienstag weiterhin nicht erreichbar. Vorrang hätten die Bergungs- und Räumarbeiten.

Schwerstes Zugunglück seit 1974
Der Unfall ist das schwerste Zugunglück in Belgien seit 1974. Damals kamen bei einem Unfall der Bahn Charleroi-Brüssel-Antwerpen ebenfalls 18 Menschen ums Leben. Am Montag besuchten der belgische König Albert II. sowie Premierminister Yves Leterme den Unglücksort. Zahlreiche Politiker - darunter der französische Präsident Nicolas Sarkozy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso - sprachen dem belgischen König ihr Beileid aus.

Bild der Verwüstung
Vor Ort bot sich ein Bild der Verwüstung. Bei dem Unfall waren die Züge bei einem Gleiswechsel auf dasselbe Gleis zugerollt und seitlich gegeneinandergeprallt. Die Wucht des Aufpralls schob die beiden ersten Waggons im 45-Grad-Winkel nach oben. Darunter verkeilte sich ein weiterer Waggon, mehrere Wagen sprangen aus den Schienen.

Das Unglück ereignete sich am Morgen gegen 08.30 Uhr zwischen den Bahnhöfen Buizingen und Halle am südwestlichen Brüsseler Stadtrand. Ein Zug fuhr von Löwen nach Braine-le-Comte südlich von Brüssel. Der zweite Zug war von Quievrain an der französisch-belgischen Grenze nach Lüttich unterwegs.

Keine endgültige Zahl der Toten
Die Behörden hatten zunächst unterschiedliche Angaben zur Zahl der Toten gemacht. Eine erste Bilanz wurde am Nachmittag gezogen. "Wir gehen von 18 Todesopfern aus. Die Zahl könnte auf maximal 20 steigen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Brüssel der Deutschen Presse-Agentur dpa. Da die Bergungsarbeiten andauerten, gebe es noch noch keine endgültige Zahl. Die Identifizierung der Opfer dauere an. Die Spurensuche sammelte auch am Nachmittag noch Kleidungsstücke und Wertgegenstände am Unfallort ein. Einige Leichen konnten noch nicht aus den verbogenen Waggons geborgen werden.

Fenster eingeschlagen
"Es war wie ein Erdbeben", sagte ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ein anderer berichtete, der Zug habe hart gebremst. "Dann hörten wir einen lauten Knall und ich sah einen Waggon an meinem Fenster vorbeischlittern." Die Fahrgäste seien nach vorne geschleudert worden und auf den Boden gefallen. Nach dem Aufprall hätten einige Passagiere ein Fenster eingeschlagen und seien herausgeklettert.

Krisenzentrum eingerichtet
Da die Waggons die Strecke zum zentralen Bahnhof Brüssel-Midi blockierten, kam der internationale Zugverkehr nach Frankreich und England zum Erliegen. "Alle Züge zwischen Brüssel und London werden für den ganzen Tag abgesagt", sagte ein Sprecher des Bahnunternehmens Eurostar. Züge aus London mussten in Lille halten. Superschnellzüge von Brüssel nach Paris wurden umgeleitet. Fahrgäste auf dem Weg von Köln nach Paris mussten in Brüssel aussteigen. Die Behörden richteten ein Krisenzentrum und eine Notrufnummer für Angehörige ein. Das Rote Kreuz rief zum Blutspenden auf.

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