Seoul: Schiff von Nordkorea versenkt

Schwere Vorwürfe

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Seoul: Schiff von Nordkorea versenkt

Nach Wochen der Zurückhaltung hat die südkoreanische Regierung dem kommunistischen Norden erstmals die Schuld für den Untergang eines Kriegsschiffs nahe der gemeinsamen Seegrenze zugewiesen. Es sei offensichtlich, dass die Regierung in Pjöngjang an dem Vorfall beteiligt gewesen sei, sagte der südkoreanische Außenminister Yu Myung-hwan am Mittwoch, ohne Details zu nennen. Es gebe ausreichend Beweise, um den Weltsicherheitsrat einzuschalten. Das Kriegsschiff war Ende März gesunken, dabei kamen 46 Seeleute ums Leben.

Die offiziellen Untersuchungsergebnisse sollen am (morgigen) Donnerstag vorliegen. Nordkorea hat jeden Verdacht zurückgewiesen, es sei in den Vorfall verwickelt. Nach Angaben eines US-Beamten werden die Ermittler aber Beweise vorlegen, dass Nordkorea die "Cheonan" mit einem Torpedo angegriffen habe. Die Beweislast gegen Pjöngjang sei erdrückend, sagte der Beamte, der anonym bleiben wollte.

Propeller gefunden
Südkoreanische Zeitungen veröffentlichten am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise einige angebliche Details der Untersuchung. Demnach sehen Teile des gefundenen Torpedo-Propellers einem nordkoreanischen Modell ähnlich, das vor sieben Jahren in den Besitz des demokratischen Südens gelangte. Die Seriennummer des Torpedos sei zudem in einer Schriftart geschrieben, die typisch für Nordkorea ist. Der Geheimdienst mache ein nordkoreanisches U-Boot für den Angriff verantwortlich.

Die bevorstehende Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse löste diplomatische Diskussionen in Seoul und Washington aus. US-Außenministerin Hillary Clinton traf sich am Dienstag mit Gesandten, der südkoreanische Außenminister Yu besprach sich mit ausländischen Botschaftern. "Wir sollten entschlossen handeln", sagte er am Mittwoch. Die Ergebnisse sowie Bedenken wegen des nordkoreanischen Atomprogramms werden vermutlich auch das bestimmende Thema der Besuche Clintons in Tokio, Peking und Seoul in dieser und nächster Woche sein.

Nord- und Südkorea befinden sich nach dem Waffenstillstand von 1953 noch offiziell im Kriegszustand. Die Grenze zwischen beiden Staaten ist die am schwersten bewachte der Welt.

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