CNN-Reporter in Syrien

"So erlebe ich Krieg in Aleppo"

Schicksalsschlacht. Die Kämpfe um die Rebellenhochburg Aleppo werden heftiger, Russland bombt. CNN-International-Reporter Fred Pleiten (37) harrt aus. ÖSTERREICH erreichte ihn am Satellitentelefon.

ÖSTERREICH: Wie stellt sich die Situation dar?

Fred Pleitgen: Die Stadt ist eingekesselt: Assads Truppen rücken vor. Sie wollen den Weg zur türkischen Grenze dichtmachen, die Rebellen von der Versorgung abschneiden und damit den Konflikt entscheiden. Aleppo ist das wichtigste Schlachtfeld in diesem Krieg. Für die Zivilisten ist die Lage katastrophal.

ÖSTERREICH: Was bedeutet ‚katastrophal‘?

Pleitgen: Die Leute haben nichts. Ein paar Hilfsgruppen haben es zuletzt noch geschafft, Essen und Medizin zu schmuggeln. Viele Menschen haben längst ihre Häuser verlassen. Alle Vororte sind völlig entvölkert. In der Stadt ist vielleicht eine Viertelmillion, niemand weiß es.

ÖSTERREICH: Erkennt man die Frontlinien überhaupt?

Pleitgen: Es ist schwierig zu sehen, wer welches Terrain kontrolliert. Es gibt viele Splittergruppen, bei denen unklar ist, auf welcher Seite die stehen.

ÖSTERREICH: Welche Auswirkungen haben die russischen Luftangriffe?

Pleitgen: Die Regierungstruppen sagen, die russischen Luftangriffe hätten sehr geholfen. Nur so sind sie in der Lage, Gewinne zu machen. Noch wichtiger ist aber die russische Luftaufklärung. So können sie gezielt angreifen.

ÖSTERREICH: Sie waren auch an der Frontlinie zum IS …

Pleitgen: Da stellt sich die Lage anders dar. Der IS sitzt im Wüstengebiet, da sind Panzer und Kanonen eingegraben mit klaren Frontlinien. Mit Luftangriffen ist der IS relativ einfach zu bekämpfen, er sitzt aber auch in den Städten.

ÖSTERREICH: Millionen Syrer sind weg, wer kämpft noch?

Pleitgen: Armee, Rebellen und der IS, dazu kämpfen auf allen Seiten Tausende ausländische Söldner. Weg sind nur die Zivilisten.

ÖSTERREICH: Angenommen der Krieg wäre aus – könnten die Flüchtlinge zurück?

Pleitgen: Schwierig. Es ist ja auch der soziale Zusammenhalt zerstört. Ganze Städte sind aufeinander losgegangen. Außerdem: In vielen unzerstörten Häusern wohnen längst neue Menschen.

Weiterführende Links

Frontlinie:cnn.it/1KRCRdC

UN-Hilfslieferungen Teil 1:cnn.it/1KY6zO8

UN-Hilfslieferungen Teil 2: cnn.it/1PTDVdU

Interview mit UN-Gesandten Staffan de Mistura Teil 1: cnn.it/1XxNl3N

Interview mit UN-Gesandten Staffan de Mistura Teil 2: cnn.it/1QLShgg

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