Sonderthema:

ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl

"So erlebte ich den Marsch der 2 Millionen"

Seiten: 12

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Jetzt ist der Funke des Zorns endgültig übergesprungen. Die Macht der Straße steht unmittelbar vor ihrem großen Sieg. Millionen sind an diesem historischen Dienstag in Kairo auf den Straßen – protestieren, beten, schreien das Ende des Regimes von Hosni Mubarak herbei.

Mit dieser Wucht hat der greise Despot wohl nicht gerechnet. Die Entschlossenheit der Menschen zeigt Wirkung: Erstmals nach neun Tagen Massenprotest und Volksaufstand signalisiert Mubarak mit seiner TV-Rede am Abend Machtverzicht.

Diashow Proteste in Ägypten gehen weiter

Mubarak immer mehr unter Druck

Mubarak immer mehr unter Druck

Mubarak immer mehr unter Druck

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Mubarak immer mehr unter Druck

Mubarak immer mehr unter Druck

Mubarak immer mehr unter Druck

Proteste in Ägypten gehen weiter

Proteste in Ägypten gehen weiter

Proteste in Ägypten gehen weiter

Proteste in Ägypten gehen weiter

Proteste in Ägypten gehen weiter

Proteste in Ägypten gehen weiter

Proteste in Ägypten gehen weiter

Proteste in Ägypten gehen weiter

Proteste in Ägypten gehen weiter

Proteste in Ägypten gehen weiter

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Zu wenig, zu spät
Am Tahrir-Platz in Kairo löst das eher Wut als Jubel aus: „Zu wenig, zu spät“, sagen die Menschen. Er hätte das schon vor zehn Tagen sagen sollen.“ Und: „Er soll nicht im September, nicht morgen, er soll sofort gehen.“

Die Menschen vertrauen Mubarak nicht mehr. Halten die Ankündigung für reine Hinhaltetaktik.
„Keine Angst mehr.“ Sie haben auch jeden Respekt vor dem Diktator verloren. „Ich habe keine Angst mehr“, sagt Meran Nadi (30), eine Grafikdesignerin. Sie ist aus Kairo, hat in Düsseldorf studiert, jobbt jetzt unterbezahlt in ihrer Heimat: „Sehen Sie die Massen hier?“, fragt sie mich. „Die meisten Jungen haben studiert wie ich, jetzt sind sie arbeitslos oder in miserablen Jobs. Das hat Mubarak verbrochen.“

Meran trägt Jeans, T-Shirt, Pullover, kein Kopftuch. Acht Stunden harrt sie am Platz der Befreiung aus. Sie schwitzt, drängt, schreit sich die Seele aus dem Leib.

Es sind historische Momente, die ich an diesem Tag erlebe. Die gesamte bürgerliche Mittelschicht Ägyptens ist auf den Beinen: Beamte, Arbeiter, Ärzte, Anwälte und die Jugend der Stadt. Frauen verhüllt, aber auch unverhüllt. Kein Mob, engagierte Menschen: „Wir haben so viele exzellente Leute hier – wir brauchen keinen Diktator“, sagt Rashid al-Awani (38), ein Anwalt.

Armee winkt freundlich durch
Ab den Morgenstunden marschieren aus allen Teilen des 10-Millionen-Einwohner-Molochs Kairo Menschen in Richtung Tahrir-Platz. Alle Zufahrtsstraßen sind mit Panzern der Armee abgeriegelt. Die Soldaten winken die Demonstranten aber einfach durch. Lächeln, eine andere Chance hätten sie auch nicht. Für Ordnung sorgen die Demonstranten selbst: In Zweierreihen stehen Ordner in Zivil. Fast jeder spricht Englisch, manche Deutsch. Wie Mahmud. In München studiert, jetzt arbeitslos in Kairo. Er tastet mich nach Waffen ab, dann winkt er mich durch. Die Männer werden durch den linken Korridor geschleust, Frauen und Kinder durch den rechten. In der Mitte des Platzes kommen sie wieder zusammen. Auf zwei Laternenmasten hängen Puppen: Mubarak. Gehängt. Unmengen schieben sich über den Platz. Jeder Gruppenführer hat ein Megafon, man braucht kein Arabisch zu verstehen, um zu wissen, was sie wollen: „Mubarak, hau ab!“

Gebet vor Panzern
Das Gedränge ist so dramatisch, dass der Ruf des ­Muezzins zum Gebet auf mich wie eine Befreiung wirkt. Schlagartig senken sich die Massen zu Boden, beginnen zu beten. Das lässt mir für kurze Zeit mehr Raum. Die Massen bleiben bis spät in den Abend. Keiner geht. Im Gegenteil: Als Mubaraks Rückzugs-Rede angekündigt wird, strömen noch mehr Menschen auf den Tahrir-Platz.

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Seite 2: Die Ereignisse des Tages - vom "Marsch der Millionen" bis zu Mubaraks Rede an die Nation - im LIVE-Ticker zum Nachlesen

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