Soldaten stürmen Boko Haram-Zentrale

Nigeria

Soldaten stürmen Boko Haram-Zentrale

Einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in Nigeria haben die Streitkräfte des westafrikanischen Landes nach eigenen Angaben das Hauptquartier der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram erobert. Unterstützt von Luftangriffen übernahmen Soldaten die Kontrolle über die Zentrale der selbst ernannten Gotteskrieger in der nordöstlichen Stadt Gwoza, wie das Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte.

Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden. Die ursprünglich für Mitte Februar geplante Wahl war im letzten Moment wegen der instabilen Sicherheitslage im Nordosten des Landes um sechs Wochen auf Samstag verschoben worden.

Zahlreiche Erfolge

Seither hat die Armee zahlreiche Erfolge im Kampf gegen Boko Haram vermeldet. Viele Nigerianer sehen dies jedoch mit Skepsis, da die Terrorgruppe in den fünf Jahren zuvor trotz der Bemühungen der Streitkräfte stets mehr Macht und Gebiete hatte an sich reißen können.

Mit der Einnahme Gwozas seien die drei umkämpften Ieilstaaten im Nordosten - Adamawa, Yobe und Borno - aus den Klauen Boko Harams befreit, behauptete Militärsprecher Chris Olukolade. Dies sei nicht zuletzt dank der Unterstützung der Streitkräfte der Nachbarländer Tschad, Kamerun und Niger gelungen. Olukolade zufolge markiert die Einnahme Gwozas einen entscheidenden Schritt, damit "keine Reste des Terrorismus in unserem Land übrigbleiben".

Gwoza liegt unweit der kamerunischen Grenze im Teilstaat Borno. Präsident Goodluck Jonathan hatte am Mittwoch gesagt, dass die Einnahme der Stadt bevorstehe. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, wonach Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau und seine treuesten Gefolgsleute sich dort aufhielten. Angeblich sollten auch Geiseln dort sein, darunter viele der mehr als 200 im vergangenen Jahr in Chibok entführten Schülerinnen. Es gab für diese Berichte jedoch keine Bestätigung.

Mehrere Terroristen getötet
Olukolade sagte, beim Kampf um das Boko-Haram-Hauptquartier seien mehrere Terroristen getötet und viele weitere verhaftet worden. Zudem sei viel Munition beschlagnahmt worden. In der Region sei nun ein großer Sucheinsatz im Gange, "um fliehende Terroristen oder Geiseln in deren Gewalt zu lokalisieren".

Nach Angaben von Augenzeugen hat Boko Haram hat während ihrer Herrschaft in Gwoza zahlreiche zwangsverheiratete Frauen getötet. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau habe seinen Kämpfern befohlen, ihre eigenen Frauen zu erschießen, berichtete am Freitag Usman Ali, der von Boko Haram als Kämpfer zwangsrekrutiert worden war.

Der Einwohner Haruna Abubakar bestätigte das Blutbad. Beide Männer konnten aber nicht sagen, wie viele Frauen genau getötet wurden.

Jonathan will im Amt bleiben
Präsident Jonathan bewirbt sich am Samstag um eine weitere Amtszeit. Ihm wird von seinem Herausforderer Muhammadu Buhari vor allem der schleppende Fortschritt im Kampf gegen Boko Haram vorgeworfen. Buhari werden gute Chancen auf einen Wahlsieg eingeräumt. Die jüngsten Erfolge, warnen Experten jedoch, werden Jonathan womöglich kaum mehr nützen, da die Wähler sich wunderten, wieso seine Regierung erst jetzt entschlossen gegen Boko Haram vorgehe.

Die sunnitischen Fundamentalisten terrorisieren den Nordosten des ölreichen westafrikanischen Landes seit 2009. Bei Anschlägen und Angriffen der Gruppe sind seither mindestens 14.000 Menschen getötet worden. Rund 1,5 Millionen Nigerianer sind wegen der Gewalt aus ihrer Heimt geflohen.

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