29. Juli 2010 14:47
Sieben Jahre nach dem Tod des spanischen Reporters Jose Couso im Irakkrieg
hat die spanische Justiz einen internationalen Haftbefehl gegen drei
US-Soldaten erlassen. Der zuständige Ermittlungsrichter am Nationalen
Gerichtshof, Santiago Pedraz, warf ihnen am Donnerstag in Madrid Totschlag
sowie ein Verbrechen gegen die internationale Gemeinschaft vor. Nur die
Festnahme und Auslieferung der drei Militärs - ein Oberstleutnant, ein
Hauptmann und ein Feldwebel - könne deren Teilnahme an dem Verfahren
garantieren.
Kamermann
Couso, der als Kameramann für den Privatsender
Telecinco arbeitete, war am 8. April 2003 bei einem US-Angriff auf das Hotel
Palestine in Bagdad getötet worden. Er stand damals auf dem Balkon des
Hotels und filmte Positionen der Amerikaner, als das Gebäude von einem
US-Panzer beschossen wurde. Auch ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters
kam dabei ums Leben.
Spaniens Oberster Gerichtshof hatte vor drei Wochen einem Antrag der Familie
Cousos stattgegeben, das Verfahren erneut aufzurollen. Dieses war bereits
zweimal eingestellt worden, zuletzt im Juli 2009.
USA sträuben sich
Die USA haben den Antrag der spanischen
Justiz, die drei Soldaten zu vernehmen, stets abgelehnt. In einer Erklärung
der US-Behörden hieß es seinerzeit, die Militärs hätten auf einen
Heckenschützen in dem Hotel gefeuert. Dabei sei auch Couso getroffen worden.
Die dort tätigen Journalisten erklärten dagegen, in dem Hotel habe es keine
Heckenschützen gegeben.
Pedraz äußerte die Hoffnung, dass die Regierung des Präsidenten Barack Obama
sich kooperationswilliger zeige als die seines Vorgängers George W. Bush.
Deshalb erneuerte er die Forderung nach einer Vernehmung der Soldaten und
verlangte alle Unterlagen der US-Behörden zu dem Fall. Im Herbst will der
Richter nach Bagdad reisen, um sich den Ort des Geschehens persönlich
anzusehen. Als Zeugen möchte er drei spanische Journalisten mitnehmen, die
damals mit Couso in dem Hotel waren.