Spanischer Haftbefehl gegen US-Soldaten

Toter Reporter

© EPA

Spanischer Haftbefehl gegen US-Soldaten

Sieben Jahre nach dem Tod des spanischen Reporters Jose Couso im Irakkrieg hat die spanische Justiz einen internationalen Haftbefehl gegen drei US-Soldaten erlassen. Der zuständige Ermittlungsrichter am Nationalen Gerichtshof, Santiago Pedraz, warf ihnen am Donnerstag in Madrid Totschlag sowie ein Verbrechen gegen die internationale Gemeinschaft vor. Nur die Festnahme und Auslieferung der drei Militärs - ein Oberstleutnant, ein Hauptmann und ein Feldwebel - könne deren Teilnahme an dem Verfahren garantieren.

Kamermann
Couso, der als Kameramann für den Privatsender Telecinco arbeitete, war am 8. April 2003 bei einem US-Angriff auf das Hotel Palestine in Bagdad getötet worden. Er stand damals auf dem Balkon des Hotels und filmte Positionen der Amerikaner, als das Gebäude von einem US-Panzer beschossen wurde. Auch ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters kam dabei ums Leben.

Spaniens Oberster Gerichtshof hatte vor drei Wochen einem Antrag der Familie Cousos stattgegeben, das Verfahren erneut aufzurollen. Dieses war bereits zweimal eingestellt worden, zuletzt im Juli 2009.

USA sträuben sich
Die USA haben den Antrag der spanischen Justiz, die drei Soldaten zu vernehmen, stets abgelehnt. In einer Erklärung der US-Behörden hieß es seinerzeit, die Militärs hätten auf einen Heckenschützen in dem Hotel gefeuert. Dabei sei auch Couso getroffen worden. Die dort tätigen Journalisten erklärten dagegen, in dem Hotel habe es keine Heckenschützen gegeben.

Pedraz äußerte die Hoffnung, dass die Regierung des Präsidenten Barack Obama sich kooperationswilliger zeige als die seines Vorgängers George W. Bush. Deshalb erneuerte er die Forderung nach einer Vernehmung der Soldaten und verlangte alle Unterlagen der US-Behörden zu dem Fall. Im Herbst will der Richter nach Bagdad reisen, um sich den Ort des Geschehens persönlich anzusehen. Als Zeugen möchte er drei spanische Journalisten mitnehmen, die damals mit Couso in dem Hotel waren.

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